Zero Data Retention LLM: Was ZDR wirklich löst 2026

Zero Data Retention heißt: der LLM-Anbieter speichert und trainiert nicht mit Ihren Daten. Das schließt die Speicher-Lücke, aber nicht die Jurisdiktion. Wann ZDR reicht und wann nur Self-Hosting.

20 Sep.. 2026 | Compliance

Inhaltsverzeichnis

Micha, Pexon Consulting | 9 Min. Lesezeit | 22.07.2026


TL;DR

Zero Data Retention (ZDR) heißt: Der LLM-Anbieter speichert Prompts und Antworten nicht und trainiert nicht damit, alles wird nach dem API-Call verworfen. Das schließt die Speicher-Lücke, nicht die Rechtsraum-Lücke. Pexon klärt, wann ZDR reicht und wann nur Self-Hosting DSGVO-fest ist, als 6-Wochen-Pilot.

Was ZDR löst Was ZDR NICHT löst
Keine Speicherung der Prompts US-Jurisdiktion (CLOUD Act)
Kein Training mit Ihren Daten Zugriff durch US-Behörden
Verwerfen nach dem API-Call Metadaten und Abuse-Logs
Reduziertes Leak-Risiko Datenhoheit im engen Sinn

Was Zero Data Retention genau bedeutet

Zero Data Retention bedeutet, dass Inferenz über Endpunkte läuft, bei denen der Anbieter vertraglich zusichert, Eingaben und Ausgaben nicht zu speichern. Die Anfrage und die Antwort werden im Arbeitsspeicher verarbeitet und nach dem Abschluss des Aufrufs verworfen. Die Daten landen nicht im Trainingskorpus, werden nicht für Fine-Tuning genutzt und nicht für Produktverbesserung ausgewertet.

Das ist ein echter Fortschritt gegenüber dem Standardfall, in dem Anbieter Daten für eine Weile aufbewahren, etwa zur Missbrauchserkennung. Für viele Unternehmen ist ZDR der pragmatische Weg, leistungsstarke Cloud-Modelle zu nutzen, ohne dass jede Anfrage irgendwo persistiert wird. Wichtig ist nur, genau zu verstehen, was der Begriff abdeckt, und was nicht.


Wie die großen Anbieter ZDR handhaben

Der Stand 2026 unterscheidet sich je Anbieter, das Muster ist aber ähnlich: ZDR ist ein Enterprise-Feature, kein Standard.

  • OpenAI: Zero Data Retention gibt es über Enterprise-API-Vereinbarungen und ChatGPT Enterprise. Training wird deaktiviert, die Aufbewahrung auf das Verarbeitungsfenster begrenzt.
  • Anthropic: ZDR gilt für Enterprise-Kunden der Anthropic-API. Prompts und Antworten werden nicht zum Training genutzt und nicht über den API-Aufruf hinaus aufbewahrt. Achtung: Das deckt nur die API ab, nicht automatisch andere Produkte wie Workbench oder Claude for Work.
  • Azure OpenAI: Standardmäßig werden Daten 30 Tage zur Missbrauchserkennung gehalten. Über eine geänderte Monitoring-Konfiguration lässt sich das auf nahezu null reduzieren.

Der gemeinsame Nenner: ZDR ist nichts, was man ankreuzt. Es braucht eine ausgehandelte Enterprise-Vereinbarung und ist auf dem normalen Pay-as-you-go-Tarif nicht verfügbar.

Sie prüfen, ob ZDR für Ihren Anwendungsfall reicht? Wir bewerten mit Ihnen Anbieter-Vereinbarungen gegen Ihre Regulatorik und bauen die passende Architektur als 6-Wochen-Pilot.

Der Denkfehler: ZDR ist nicht Datenhoheit

Hier ist die Stelle, an der die meisten Diskussionen falsch abbiegen. Zero Data Retention löst das Speicher-Problem, nicht das Rechtsraum-Problem. Selbst wenn ein US-Anbieter Ihre Daten nicht speichert und nicht damit trainiert, verarbeitet er sie trotzdem, und er unterliegt dem US CLOUD Act. Die Daten sind während der Verarbeitung im Zugriff eines US-Unternehmens.

Für viele Anwendungsfälle ist das akzeptabel, und ZDR ist dann genau das richtige Werkzeug. Für einen Berufsgeheimnisträger nach §203 StGB, ein KRITIS-Umfeld oder eine streng BaFin-regulierte Verarbeitung reicht „wird nicht gespeichert“ aber nicht, wenn die Frage lautet „wer kann rechtlich zugreifen“. Unsere klare Position: ZDR ist eine Risikominderung, keine Souveränität. Wer die beiden verwechselt, unterschreibt eine Compliance-Lücke. Den Unterschied vertiefen wir in der Übersicht zur Datensouveränität bei KI-Plattformen.

Dazu kommt das Kleingedruckte: Auch bei aktiviertem ZDR behalten Anbieter oft bestimmte Metadaten oder Abuse-Monitoring-Daten für ein begrenztes Fenster, um rechtliche und Sicherheitsauflagen zu erfüllen. „Zero“ ist also selten absolut null. Wer den technischen Datenschutz zusätzlich absichern will, kombiniert ZDR mit einer vorgelagerten PII-Redaction, die personenbezogene Felder maskiert, bevor sie den Anbieter erreichen (siehe Verwandte Themen).


Wann ZDR reicht, und wann nur Self-Hosting

Die Entscheidung folgt der Datenklasse, nicht der Bequemlichkeit:

  1. Interne, nicht besonders sensible Daten: ZDR über einen Enterprise-Vertrag ist der richtige, pragmatische Weg.
  2. Personenbezogene Daten mittlerer Sensibilität: ZDR plus PII-Redaction plus EU-Region deckt viel ab.
  3. Berufsgeheimnis, §203, KRITIS, streng regulierte Verarbeitung: Der Datenstrom darf keinen US-Vermittler sehen, also Self-Hosting.

Am Ende ist ZDR ein wichtiger Baustein in einem abgestuften Datenschutzkonzept, aber kein Ersatz für die Frage nach der Jurisdiktion. Wie ein souveräner Betrieb ganz ohne Cloud-Vermittler aussieht, behandeln wir separat (siehe Verwandte Themen).


Häufig gestellte Fragen

Was ist Zero Data Retention beim LLM?

Zero Data Retention bedeutet, dass der LLM-Anbieter Ihre Prompts und die Antworten nicht speichert, nicht zum Training nutzt und nach dem API-Aufruf verwirft. Die Daten werden nur flüchtig im Arbeitsspeicher verarbeitet. Es reduziert das Risiko, dass Ihre Eingaben irgendwo persistiert werden.

Ist ZDR dasselbe wie DSGVO-konform?

Nein. ZDR ist ein Baustein, aber keine Garantie für DSGVO-Konformität. Es löst die Speicherfrage, nicht die Frage der Jurisdiktion. Ein US-Anbieter unterliegt auch mit ZDR dem CLOUD Act. Für streng regulierte Daten braucht es zusätzlich eine EU-Verarbeitung oder Self-Hosting.

Bei welchen Anbietern gibt es Zero Data Retention?

OpenAI, Anthropic und Azure OpenAI bieten ZDR oder nahezu keine Aufbewahrung an, jeweils über Enterprise-Vereinbarungen. Es ist kein Standard-Feature der normalen API-Tarife, sondern muss ausgehandelt und vertraglich fixiert werden. Die genauen Bedingungen unterscheiden sich pro Anbieter.

Kostet Zero Data Retention extra?

ZDR ist an Enterprise-Verträge gebunden, die in der Regel Mindestvolumen oder feste Konditionen voraussetzen. Einen einfachen Aufpreis pro Anfrage gibt es meist nicht, aber den Einstieg in eine Enterprise-Vereinbarung. Die genauen Kosten hängen vom Anbieter und Ihrem Volumen ab.

Reicht ZDR für Berufsgeheimnisträger nach §203 StGB?

In der Regel nicht allein. Bei §203 geht es um Zugriff, nicht nur um Speicherung. Solange die Verarbeitung bei einem US-Anbieter liegt, bleibt das Zugriffsrisiko bestehen. Für diese Fälle ist Self-Hosting auf eigener oder europäisch kontrollierter Infrastruktur der sichere Weg.


Nächster Schritt

Sie wollen wissen, ob Zero Data Retention für Ihre Daten ausreicht oder ob Sie weiter gehen müssen? Wir bewerten in einem kurzen Gespräch Ihre Datenklasse gegen die Anbieter-Zusagen und benennen den sicheren Weg.


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