SearXNG selbst betreiben: eigene Websuche für Claude und KI-Agenten

SearXNG selbst betreiben: Docker-Setup, JSON-Schnittstelle, Anbindung an Claude auf Bedrock, Open WebUI und LiteLLM, dazu die ehrlichen Grenzen im Betrieb.

22 Sep.. 2026 | AI

Inhaltsverzeichnis

Robin, Consultant für GenAI bei Pexon Consulting | 11 Min. Lesezeit | 22.09.2026


TL;DR: SearXNG in fünf Sätzen

SearXNG ist eine Metasuchmaschine, die Sie selbst betreiben. Sie hat keinen eigenen Index, sondern fragt andere Suchmaschinen ab. Für KI-Plattformen zählt das, weil Claude auf Amazon Bedrock keine Websuche hat und die Alternativen jede Anfrage an Dritte schicken. Mit formats: [html, json] wird daraus eine Schnittstelle für Agenten. Der Betrieb hat einen Haken.

Gehosteter Suchdienst (Brave, Tavily, Exa) SearXNG im eigenen Netz
Wer sieht die Suchanfrage der Anbieter die abgefragten Suchmaschinen, nicht Ihr Anbieter
Kosten je Suche oder Paket Serverkosten
Schlüssel auf den Geräten ja, bei Claude Desktop je Gerät nein
Ergebnisqualität stabil, vertraglich zugesichert schwankt mit den Quellen
Betriebsaufwand keiner Updates, Bot-Schutz, blockierte Quellen

Das Problem: Der Agent soll suchen, die Anfrage soll aber im Haus bleiben

Drei Gespräche, dieselbe Stelle. Ein Team führt Claude über Amazon Bedrock ein, weil die Verarbeitung in der EU laufen soll. Dann fällt auf, dass die Websuche fehlt. Anthropics Doku ist an der Stelle eindeutig: Die Websuche ist ein serverseitiges Werkzeug des Modellanbieters, und Bedrock hat keine Entsprechung. Also nimmt das Team einen gehosteten Suchdienst.

Damit beginnt die zweite Diskussion. Die Suchanfrage ist selten harmlos. „Rechtsprechung zu Kündigung während Elternzeit, Az. ähnlich unserem Fall“ verrät mehr über ein Unternehmen als das Ergebnis je liefern könnte. Bei Claude Desktop kommt dazu, dass der Schlüssel des Suchanbieters auf jedem Gerät liegt und von einem lokalen Nutzer ausgelesen werden kann. Anthropic schreibt das selbst in die Dokumentation, zusammen mit der Empfehlung, Ausgabengrenzen zu setzen und Schlüssel zu drehen.

Die dritte Stelle ist banal und teuer: Suchen kosten je Aufruf. Ein Agent, der in einer Schleife recherchiert, macht aus einer Frage schnell dreißig Suchen.

SearXNG löst genau diese drei Punkte, und schafft dafür einen neuen.

Was SearXNG ist, und was nicht

SearXNG ist eine freie Metasuchmaschine unter der AGPL. Sie speichert keine Profile und betreibt keinen eigenen Index. Eine Anfrage geht an die konfigurierten Quellen, etwa Bing, DuckDuckGo, Wikipedia oder fachliche Kataloge, und die Ergebnisse werden zusammengeführt.

Das ist der entscheidende Unterschied zu einer Such-API: Sie bekommen keine vertraglich zugesicherte Qualität, sondern die Summe dessen, was die Quellen gerade herausgeben. Dazu unten mehr, das ist der ehrliche Teil.

Schritt 1: Instanz starten

Die Projektdokumentation empfiehlt Docker Compose. Vorlage holen und starten:

mkdir -p ./searxng/core-config && cd ./searxng
curl -fsSL -O https://raw.githubusercontent.com/searxng/searxng/master/container/docker-compose.yml
docker compose up -d

Zwei Verzeichnisse müssen dauerhaft eingebunden sein, sonst ist die Konfiguration nach jedem Neustart weg:

Pfad im Container Wofür
/etc/searxng settings.yml, also Ihre gesamte Konfiguration
/var/cache/searxng Zwischenspeicher, unter anderem für Favicons

Für den Bot-Schutz nutzt die Vorlage einen Valkey-Dienst. Wenn Sie die Vorlage anpassen, muss der Hostname in der settings.yml zum Dienstnamen passen, sonst läuft der Schutz ins Leere.

Schritt 2: Aus der Suchmaschine eine Schnittstelle machen

Im Auslieferungszustand gibt SearXNG nur HTML aus. Für Agenten brauchen Sie JSON. In der settings.yml:

search:
  formats:
    - html
    - json
  safe_search: 0
  default_lang: "de"

Die Dokumentation sagt dazu knapp: Ergebnisformate, die über das Web erreichbar sind, ein Format entfernen heißt, den Zugriff darauf zu verweigern. Genau deshalb steht JSON standardmäßig nicht drin. Danach liefert https://ihre-instanz/search?q=test&format=json eine maschinenlesbare Antwort.

Zwei Dinge gehören an dieser Stelle in dieselbe Änderung, sonst wird die Instanz zum offenen Dienst für Fremde:

  1. Erreichbarkeit einschränken. Nur aus dem internen Netz oder hinter einem Reverse Proxy mit Authentifizierung. Eine JSON-Schnittstelle ohne Schutz ist eine Einladung.
  2. Schlüssel setzen. Die Instanz braucht einen eigenen secret_key, und sie sollte nicht mit dem Beispielwert laufen.

Schritt 3: Claude auf Bedrock anbinden

Hier wird es für alle interessant, die Claude in der eigenen Cloud betreiben. Claude Desktop bringt einen eingebauten Suchserver mit, der auf dem Gerät läuft und mit jedem Modellanbieter funktioniert, also auch mit Bedrock. Als Anbieter sind Brave, Tavily und Exa vorgesehen, dazu custom mit eigener Adresse:

{
  "managedMcpServers": [
    {
      "name": "Web search",
      "server": "websearch",
      "provider": "custom",
      "customUrl": "https://search.intern.example.com/v1/search",
      "toolPolicy": { "web_search": "allow" }
    }
  ]
}

Die Anbindung an Bestehendes ist Ihre Aufgabe: Anthropic dokumentiert an dieser Stelle die Kopfzeilen für die gehosteten Anbieter, aber nicht das erwartete Format der eigenen Antwort. In unseren Projekten setzen wir deshalb einen dünnen Adapter zwischen Claude und SearXNG, der die JSON-Antwort in die erwartete Form bringt, die Ergebniszahl begrenzt und jede Anfrage protokolliert. Das ist wenig Code und der richtige Ort für die Regeln: welche Quellen erlaubt sind, wie viele Ergebnisse zurückgehen, und ob eine Anfrage überhaupt raus darf.

Wichtig für die Erwartung: Die Suchanfrage selbst steht trotzdem im Gespräch mit dem Modell, weil das Modell den Suchaufruf formuliert. Bei Bedrock bleibt sie damit in Ihrer AWS-Umgebung. Was SearXNG ändert, ist der zweite Empfänger: Ohne eigene Suche geht die Anfrage zusätzlich an einen Suchdienstleister, mit eigener Suche nur noch an die Suchmaschinen, die Sie freigegeben haben.

Schritt 4: Open WebUI und das Gateway

Für die eigene Chat-Oberfläche ist der Weg kürzer. Open WebUI kennt SearXNG als Suchanbieter, Sie hinterlegen die Adresse mit als Platzhalter und schalten die Websuche im Arbeitsbereich frei.

Wer ein Gateway betreibt, hat eine dritte Möglichkeit: Die Suche läuft im Gateway statt auf dem Gerät. Für LiteLLM gibt es dafür das Abfangen der Websuche, dann übernimmt der Proxy den Suchaufruf des Modells und liefert das Ergebnis zurück. Der Vorteil ist, dass kein Schlüssel und keine Suchadresse auf den Geräten landet. Welche der drei Stellen die richtige ist, hängt davon ab, wo Sie protokollieren wollen:

Ort der Suche Vorteil Preis dafür
Gerät (Claude Desktop, eingebaut) funktioniert ohne Gateway-Umbau Konfiguration auf jedem Gerät, Adapter je Fassung
Gateway (LiteLLM) eine Stelle für Protokoll und Regeln Gateway wird Teil des Suchpfads
Oberfläche (Open WebUI) in Minuten eingerichtet gilt nur für diese Oberfläche

Der Haken, den niemand gern nennt

SearXNG hat keinen eigenen Index. Es fragt fremde Suchmaschinen ab, und die mögen das nicht besonders. In der Praxis heißt das:

  • Quellen fallen aus. Eine Suchmaschine erkennt die Anfragen als automatisiert und blockt die Instanz, dauerhaft oder für Stunden. Dann liefert SearXNG weiter Ergebnisse, nur aus weniger Quellen. Das fällt niemandem auf, weil nichts abstürzt.
  • Die Qualität schwankt. Was gestern auf Platz eins stand, ist heute weg, weil eine Quelle fehlt. Für einen Rechercheagenten ist das ein Qualitätsproblem, das sich schwer messen lässt.
  • Ein Agent erzeugt Last. Dreißig Suchen in einer Schleife sehen für die Quelle aus wie ein Scraper, weil sie genau das sind.

Was dagegen hilft, ist kein Trick, sondern Betrieb: die Quellenliste bewusst wählen statt alle zu aktivieren, die Instanz überwachen, den Ausfall einer Quelle sichtbar machen und eine Rückfallebene definieren. Genau das prüfen wir in unseren Projekten, bevor eine eigene Suche in den Produktivbetrieb geht.

Das läuft jetzt im POC. Was für den Produktivbetrieb fehlt: Überwachung je Suchquelle mit Alarm bei Ausfall, ein Adapter mit Grenzen und Protokoll, Authentifizierung vor der JSON-Schnittstelle, eine Rückfallebene auf einen gehosteten Dienst für den Fall, dass zu viele Quellen blocken, und eine Regel, welche Anfragen gar nicht erst nach draußen gehen. Das richten wir bei der Websuche für die eigene KI-Plattform mit ein.

Wann sich der eigene Betrieb lohnt, und wann nicht

Fall Empfehlung
Berufsgeheimnisträger, Personal- oder Mandantendaten in den Anfragen eigene Instanz, mit Protokoll und Grenzen
Claude über Bedrock, Suche soll nicht zusätzlich zu einem Dritten eigene Instanz oder Gateway-Suche
Recherche-Agent, der Qualität und Verfügbarkeit zusichern muss gehosteter Dienst, notfalls beides mit Rückfallebene
Zehn Nutzer, gelegentliche Suche gehosteter Dienst, der Betrieb lohnt nicht

Die ehrliche Antwort für viele Mittelständler ist eine Mischung: eigene Instanz als Standard, ein gehosteter Dienst als Rückfall, die Entscheidung darüber im Gateway und nicht auf den Geräten.

Häufig gestellte Fragen

Was ist SearXNG?

SearXNG ist eine freie Metasuchmaschine unter der AGPL, die Sie selbst betreiben. Sie hat keinen eigenen Index, sondern fragt konfigurierte Suchmaschinen ab und führt die Ergebnisse zusammen. Sie speichert keine Nutzerprofile.

Wie aktiviere ich die JSON-Schnittstelle in SearXNG?

In der settings.yml unter search: formats: neben html auch json eintragen und neu starten. Im Auslieferungszustand ist nur HTML aktiv. Danach beantwortet die Instanz Anfragen mit &format=json maschinenlesbar. Die Schnittstelle gehört hinter eine Zugangsbeschränkung.

Kann Claude auf Amazon Bedrock mit SearXNG suchen?

Ja. Bedrock hat keine eigene Websuche, aber Claude Desktop bringt einen eingebauten Suchserver mit, der auf dem Gerät läuft. Mit provider: "custom" und einer eigenen Adresse zeigt er auf Ihre Instanz. Das Antwortformat müssen Sie mit einem kleinen Adapter bedienen.

Warum liefert meine SearXNG-Instanz plötzlich weniger Ergebnisse?

Meist hat eine der abgefragten Suchmaschinen die Instanz vorübergehend blockiert, weil die Anfragen automatisiert aussehen. SearXNG meldet keinen Fehler, es liefert einfach weniger. Deshalb gehört eine Überwachung je Quelle dazu.

Ist SearXNG eine Alternative zu Google für Unternehmen?

Als Suchoberfläche für Menschen ja, mit Abstrichen bei der Ergebnisqualität. Als Zulieferer für KI-Agenten ist es oft die bessere Wahl, weil die Anfragen nicht zusätzlich bei einem Dienstleister landen und keine Kosten je Suche entstehen.

Nächster Schritt

Wenn Ihre Agenten suchen sollen, ohne dass jede Frage bei einem Dienstleister landet, ist die eigene Instanz der kürzeste Weg. Wir richten sie ein, hängen sie an Claude, Open WebUI oder Ihr Gateway und bauen die Überwachung dazu.

Websuche hinter Ihrem Gateway
Die Suche läuft nach 20 Minuten. Der Betrieb ist die Arbeit.
Wir richten die Websuche für Ihre KI-Plattform ein: SearXNG im eigenen Netz, Adapter für Claude Desktop und Open WebUI, Protokollierung und ein Plan für blockierte Suchmaschinen.

Verwandte Themen

Quellen: SearXNG-Dokumentation (Installation mit Docker, Einstellungen zu Suchformaten), Anthropic-Dokumentation „Web search and web fetch“ für Claude Desktop im Drittanbieter-Betrieb, Open-WebUI-Dokumentation zur Websuche. Stand 22.09.2026.


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