Oh My Pi im Test 2026: Was der Pi-Fork im Team taugt

Oh My Pi (omp) im Test: Was der Pi-Fork mit LSP, Debugger und 31 Tools kann, warum der Standard jeden Befehl ohne Rückfrage ausführt und wie Sie Oh My Pi…

18 Sep.. 2026 | AI

Inhaltsverzeichnis

Robin, Consultant für GenAI bei Pexon Consulting | 8 Min. Lesezeit | 18.09.2026


TL;DR: Oh My Pi in fünf Sätzen

Oh My Pi (omp) ist ein quelloffener Coding-Agent fürs Terminal, ein Fork von Mario Zechners Pi mit 31 eingebauten Tools, LSP, Debugger und über 60 Modell-Providern. Die Technik überzeugt. Für Teams ist der Standard gefährlich: Jeder Shell-Befehl läuft ohne Rückfrage. Wir zeigen, wie Sie omp hinter LiteLLM betreiben.

Pi (Original) Oh My Pi (omp)
Philosophie bewusst minimal, 4 Tools alles eingebaut, 31 Tools
Kern TypeScript TypeScript plus rund 80.000 Zeilen Rust
GitHub-Sterne (18.09.2026) 106.997 31.812
Code-Intelligenz keine LSP (14 Operationen), Debugger über DAP
Freigaben für Tool-Aufrufe kein eingebautes System drei Modi, Standard yolo
Maintainer Mario Zechner, Earendil Can Bölük, Stencil Labs

Das Problem: Ihre Entwickler installieren das gerade selbst

Oh My Pi landet nicht über eine Tool-Evaluierung im Unternehmen, sondern über `curl | sh` auf einem Entwickler-Laptop. Das Repository hatte am 18.09.2026 genau 31.812 Sterne und 3.360 Forks, obwohl es erst seit dem 31.12.2025 existiert. Allein am 16. und 17. September erschienen vier Releases, aktuell ist v18.2.6.

Diese Geschwindigkeit ist das eigentliche Thema. Ein Werkzeug, das fast täglich neue Funktionen bekommt, Ihre Shell ausführt, einen Browser steuert und Code an Dutzende Modell-Anbieter schickt, ist kein Editor-Plugin. Es ist ein Agent mit Schreibrechten auf Ihr Repository.

Wir sehen dasselbe Muster wie vor einem Jahr bei Claude Code und Cursor: Zwei, drei Entwickler probieren es aus, sind begeistert, und nach vier Wochen hängen zwölf Leute mit privaten API-Keys daran. Niemand weiß, welches Modell welchen Code gesehen hat. Den Grundlagen-Teil, warum der Harness um das Modell herum so viel ausmacht, haben wir in unserem Leitfaden zum eigenen Agent Harness beschrieben.

Was Oh My Pi anders macht als Pi

Die kurze Antwort: omp ist Pi mit allem, was Pi bewusst weglässt. Der Name spielt auf Oh My Zsh an, die voll ausgestattete Variante einer absichtlich schlanken Shell.

Pi selbst liefert vier Werkzeuge (read, write, edit, bash) und erwartet, dass Sie den Rest als Extension schreiben. Can Bölük hat Pi am 31.12.2025 geforkt und daraus eine Plattform gebaut. Drei Unterschiede tragen in der Praxis:

  1. LSP in jedem Schreibvorgang. Eine Umbenennung läuft über workspace/willRenameFiles, Re-Exports und Aliase werden mitgezogen. Der Agent weiß, was Ihre IDE weiß.
  2. Echter Debugger. omp hängt sich per Debug Adapter Protocol an lldb, dlv oder debugpy und liest Stack Frames, statt print-Zeilen zu streuen. Einen eingebauten Debugger dieser Art bringen Claude Code und Codex CLI bisher nicht mit.
  3. Hashline-Edits. Das Modell adressiert Zeilen über einen kurzen Inhalts-Hash, statt den alten Text wörtlich zu wiederholen. Veraltete Anker lehnt omp ab, bevor die Datei beschädigt wird.

Dazu kommen Subagents in isolierten Worktrees, ein zweites Modell als Reviewer („Advisor“), Live-Sessions per /collab und ein Rust-Kern, der ripgrep, glob und 58 Kommandozeilen-Werkzeuge im Prozess ausführt. Das läuft auch nativ unter Windows, ohne WSL.

Oh My Pi im Benchmark: stark bei Edits, schwächer im Gesamtlauf

Hier wird es interessant, weil zwei Messungen sich scheinbar widersprechen. Beide stimmen.

Die Hashline-Messung von Bölük selbst („The Harness Problem“, 12.02.2026) testet nur das Edit-Format: 180 Aufgaben je Lauf, drei Läufe, 16 Modelle. Grok Code Fast 1 springt von 6,7 auf 68,3 Prozent, Grok 4 Fast braucht 61 Prozent weniger Output-Token. Über 15 Modelle liegt der Gewinn gegenüber dem Patch-Format bei rund 15 Punkten.

Composio hat am 01.09.2026 dagegen beide Harnesses komplett verglichen, mit identischem Modell (DeepSeek V4 Flash) und 30 agentischen Aufgaben:

Kennzahl Pi Oh My Pi
Gelöste Aufgaben 20 von 30 17 von 30
Median-Laufzeit 132,2 s 272,4 s
Token pro Aufgabe 558.885 742.283
Kosten pro Erfolg 0,028 USD 0,103 USD

Unsere Lesart: Ein besseres Edit-Format hilft vor allem schwächeren Modellen. 31 Tools im Kontext kosten dafür Token und Zeit, und ein Mittelklasse-Modell verzettelt sich eher zwischen vielen Werkzeugen. Wer omp mit einem Frontier-Modell fährt und an großen, typisierten Codebasen arbeitet, profitiert von LSP und Debugger. Wer billige Modelle auf kleine Aufgaben schickt, ist mit Pi schneller und fast viermal günstiger pro Erfolg.

Die drei Standardeinstellungen, die wir ändern würden

Oh My Pi ist für Einzelentwickler gebaut, die wissen, was sie tun. Im Team würden wir drei Voreinstellungen nicht so lassen.

Erstens der Freigabe-Modus. Laut Dokumentation ist tools.approvalMode standardmäßig yolo: Lesen, Schreiben und Ausführen laufen ohne Rückfrage. Das betrifft bash, browser und Subagents gleichermaßen. Für ein Repository mit Produktions-Credentials in der .env ist das die falsche Grundhaltung. Fairerweise: Pi hat laut eigener Doku gar kein eingebautes Freigabesystem und empfiehlt Container. omp ist also besser steuerbar als das Original, nur eben nicht ab Werk.

Zweitens die Anmeldung über Abos. omp bietet OAuth-Login für Anthropic, OpenAI Codex, Gemini und Cursor an. Anthropic untersagt seit Februar 2026 ausdrücklich, OAuth-Tokens aus Claude Free, Pro oder Max in fremden Tools zu nutzen, und setzt das seit dem 04.04.2026 technisch durch (The Register). Bölük berichtet selbst, dass Google sein Gemini-Konto während der Benchmarks ohne Vorwarnung gesperrt hat. Im Unternehmen gehört ein Coding-Agent an einen API-Schlüssel mit Vertrag, nicht an ein privates Abo.

Drittens die Websuche. web_search läuft eine Kette aus bis zu 23 Anbietern durch, darunter schlüssellose Fallbacks wie DuckDuckGo, Startpage und ein Aggregat namens public. Suchanfragen enthalten oft Fehlermeldungen, Klassennamen oder interne Hostnamen. Welche dieser Anbieter Ihre Anfragen sehen, sollten Sie festlegen, nicht die Fallback-Reihenfolge.

Positiv: Die Installations-ID ist eine zufällige UUID ohne Bezug zu Rechner oder Nutzer, dokumentiert in docs/install-id.md. Und fremde Konfigurationen aus ~/.claude oder ~/.cursor lädt omp auf Nutzerebene erst, wenn Sie das per enabledProviders freischalten. Projektdateien im Repository liest es dagegen sofort.

Oh My Pi mit LiteLLM betreiben: Setup in zwei Schritten

Unsere Empfehlung für Teams: omp nur gegen ein internes LLM-Gateway sprechen lassen. LiteLLM ist in omp ein eingebauter Provider, das Setup ist deshalb kurz. Die Modell-Liste holt sich omp direkt aus dem Gateway.

# omp installieren (Bun, empfohlener Weg laut Projekt)
bun install -g @oh-my-pi/pi-coding-agent

# Nur das interne Gateway verwenden, virtueller Key pro Entwickler
export LITELLM_BASE_URL="https://llm-gateway.intern.example.de/v1"
export LITELLM_API_KEY="sk-team-platform-robin"

# Prüfen, welche Modelle das Gateway freigibt
omp models litellm

Danach die Voreinstellungen härten. Die Datei liegt unter ~/.omp/agent/config.yml und lässt sich per omp --config oder PI_CONFIG_FILES auch zentral ausrollen:

# ~/.omp/agent/config.yml, Team-Baseline
modelRoles:
  default: litellm/claude-sonnet-5     # normale Turns
  smol: litellm/deepseek-v4-flash      # billige Subagents

enabledModels:
  - litellm/*                          # nur Modelle hinter dem Gateway

disabledProviders:                     # direkte Anbieter-Logins sperren
  - anthropic
  - openai

tools:
  approvalMode: write                  # Default ist yolo
  approval:
    bash: prompt                       # Shell immer mit Rückfrage

providers:
  webSearchExclude: [public, duckduckgo, startpage, google, ecosia, mojeek]

computer:
  enabled: false                       # Desktop-Steuerung bleibt aus

Damit laufen alle Anfragen über einen Punkt, an dem Sie Budgets, Logging und die Modell-Freigabe steuern. Wie so ein Gateway architektonisch aussieht, steht auf unserer Seite zum LLM-Gateway mit Modell-Routing.

Das läuft jetzt im POC. Was für den Produktivbetrieb fehlt: Virtuelle Keys pro Team, Budget-Grenzen, Audit-Logs für jeden Call, SSO und eine Modell-Freigabe, die Datenschutz und Einkauf mittragen. Genau den Sprung von „läuft auf meinem Rechner“ zu „läuft im Unternehmen“ machen wir mit Ihnen als LiteLLM-Implementierung in 3 bis 4 Wochen.

Für wen sich Oh My Pi lohnt und für wen nicht

Wir würden omp heute nicht als Standard-Werkzeug für eine ganze Entwicklungsabteilung ausrollen. Als zweites Werkzeug für ein Platform-Team dagegen schon.

Das Projekt hat am 18.09.2026 rund 1.700 offene Issues und 1.100 offene Pull Requests, 612 Releases und einen Hauptentwickler. Das ist beeindruckende Energie und gleichzeitig ein Betriebsrisiko: Ein Update kann morgen Verhalten ändern, auf das sich Ihr Team heute verlässt. Pinnen Sie die Version über Ihr Paket-Management, statt latest zu ziehen.

Sinnvoll ist omp, wenn Ihre Leute in großen TypeScript-, Rust- oder Go-Codebasen arbeiten, echte Debugging-Sessions brauchen oder mehrere Modelle gegeneinander testen wollen. Für reine Feature-Arbeit mit einem Anbieter bleibt Claude Code die ruhigere Wahl. Welche Angriffsflächen ein Agent mit Shell-Zugriff grundsätzlich öffnet, haben wir unter Sicherheitsrisiken von KI-Agenten zusammengefasst.

Pexon Consulting betreibt als Microsoft Partner mit 80 Mitarbeitern in Deutschland LLM-Gateways für Kunden, an denen genau solche Werkzeuge hängen. Unsere Erfahrung: Das Werkzeug wechselt alle paar Monate, das Gateway bleibt. Wer die Anbindung einmal sauber baut, kann omp heute testen und morgen gegen den nächsten Harness tauschen, ohne Keys neu zu verteilen.


Häufig gestellte Fragen

Was ist Oh My Pi?

Oh My Pi, kurz omp, ist ein quelloffener Coding-Agent für das Terminal unter MIT-Lizenz. Er ist ein Fork des Pi Coding Agent von Mario Zechner und ergänzt ihn um 31 Tools, LSP-Integration, einen Debugger und einen Rust-Kern mit rund 80.000 Zeilen Code.

Was kostet Oh My Pi?

Das Werkzeug selbst ist kostenlos, es gibt keine Bezahlstufen und keinen Account beim Anbieter. Kosten entstehen nur für die Modelle, also über API-Keys oder ein Gateway. Im Composio-Benchmark lag omp mit DeepSeek V4 Flash bei 0,103 USD pro gelöster Aufgabe, Pi bei 0,028 USD.

Oh My Pi vs. Pi: Was ist der Unterschied?

Pi ist bewusst minimal und bringt vier Werkzeuge mit, alles andere bauen Sie als Extension. omp liefert LSP, Debugger, Browser, Subagents und Websuche fertig mit. Im Gesamtvergleich war Pi schneller und günstiger, omp punktet bei großen Codebasen und beim Debugging.

Kann ich Oh My Pi mit meinem Claude-Abo nutzen?

Technisch bietet omp den OAuth-Login an, erlaubt ist es nicht. Anthropic verbietet seit Februar 2026, Tokens aus Claude Free, Pro oder Max in fremden Tools zu verwenden, und sperrt das seit April 2026 aktiv. Nutzen Sie einen API-Key oder ein internes LLM-Gateway wie LiteLLM.

Ist Oh My Pi sicher genug für den Unternehmenseinsatz?

Kommt auf die Konfiguration an. Im Auslieferungszustand führt omp alle Tool-Aufrufe ohne Rückfrage aus. Mit approvalMode: write, gesperrten Direkt-Logins, eingeschränkter Websuche und einem Gateway davor wird daraus ein kontrollierbares Werkzeug. Die schnelle Release-Frequenz spricht für eine gepinnte Version.


Nächster Schritt

LiteLLM Implementierung
Coding-Agents frei wählen, Schlüssel zentral behalten
Wir bauen Ihr LiteLLM-Gateway in 3 bis 4 Wochen produktiv auf: virtuelle Keys pro Team, Budgets, Fallbacks und Audit-Logs für jeden Call. Danach hängt omp, Claude Code oder Codex am selben Gateway statt an privaten API-Keys.
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