CSRD Berichtspflicht 2026: 28 Fragen, die Entscheider jetzt klären müssen

CSRD Berichtspflicht nach Omnibus 2026: Schwellenwerte, Fristen, ESRS-Datenpunkte. 28 Fragen und Antworten für CFOs und Compliance-Verantwortliche.

28 Jan.. 2025 | ESG & Sustainability

Inhaltsverzeichnis

Pexon Consulting | 12 Min. Lesezeit | 26.03.2026


TL;DR

Die EU-Omnibus-Richtlinie (2026/470) hat die CSRD-Berichtspflicht auf Unternehmen mit über 1.000 Mitarbeitenden und 450 Mio. Euro Umsatz beschränkt — rund 80 bis 90 Prozent der ursprünglich betroffenen Firmen fallen raus. Trotzdem müssen auch kleinere Unternehmen ESG-Daten liefern, weil Großkunden und Banken sie über die Lieferkette einfordern. Dieser FAQ-Guide beantwortet die 28 wichtigsten Fragen für CFOs, Compliance Officer und Nachhaltigkeitsbeauftragte. compliance für cloud & ki, die euer business nicht ausbremst — sondern


Grundlagen: Was ist die CSRD und wen betrifft sie?

1. Was ist die CSRD?

Die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) ist die EU-Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung. Sie löst die bisherige Non-Financial Reporting Directive (NFRD) ab und verpflichtet Unternehmen, nach einheitlichen europäischen Standards (ESRS) über Umwelt-, Sozial- und Governance-Themen zu berichten.

2. Was hat sich durch das Omnibus-Paket 2026 geändert?

Am 26. Februar 2026 wurde die Omnibus-Änderungsrichtlinie (EU) 2026/470 im EU-Amtsblatt veröffentlicht. Sie trat am 18. März 2026 in Kraft und bringt drei zentrale Änderungen:

  • Schwellenwerte angehoben: Nur noch Unternehmen mit >1.000 Mitarbeitenden und >450 Mio. Euro Umsatz sind berichtspflichtig
  • Anwenderkreis reduziert: Von ca. 50.000 auf ca. 5.000 Unternehmen EU-weit
  • Datenpunkte reduziert: Die verpflichtenden ESRS-Datenpunkte sinken um 61 Prozent

3. Wie viele Unternehmen in Deutschland sind noch betroffen?

Statt der ursprünglich geschätzten 13.000 Unternehmen müssen nach aktuellem Stand weniger als 500 Unternehmen und Konzerne in Deutschland einen CSRD-Bericht erstellen. Das entspricht einer Reduktion von über 90 Prozent.

4. Spielt die Kapitalmarktorientierung noch eine Rolle?

Nein. Nach der Omnibus-Richtlinie ist die Kapitalmarktorientierung kein eigenständiges Kriterium mehr. Es zählen ausschließlich die neuen Schwellenwerte: über 1.000 Beschäftigte und über 450 Mio. Euro Nettoumsatz.


Schwellenwerte und Betroffenheit im Detail

5. Welche Schwellenwerte gelten nach Omnibus konkret?

Kriterium Vor Omnibus Nach Omnibus
Mitarbeitende ab 250 ab 1.000
Nettoumsatz ab 50 Mio. Euro ab 450 Mio. Euro
Betroffene EU-weit ca. 50.000 ca. 5.000
Betroffene in DE ca. 13.000 unter 500
Reduktion — 80–90 %

6. Müssen beide Schwellenwerte gleichzeitig erfüllt sein?

Ja. Ein Unternehmen muss sowohl die Mitarbeiter-Schwelle (>1.000) als auch die Umsatz-Schwelle (>450 Mio. Euro) überschreiten, um berichtspflichtig zu sein. Ein Unternehmen mit 2.000 Mitarbeitenden aber nur 300 Mio. Euro Umsatz fällt nicht unter die Pflicht.

7. Gelten die Schwellenwerte auch auf Konzernebene?

Ja. Mutterunternehmen, die auf konsolidierter Ebene die Schwellenwerte überschreiten, sind ebenfalls berichtspflichtig — unabhängig davon, ob die einzelne Gesellschaft die Schwellen erreicht.

8. Mein Unternehmen hat 600 Mitarbeitende. Muss ich trotzdem ESG-Daten bereitstellen?

Direkt berichtspflichtig sind Sie nicht. Aber: Wenn Sie Zulieferer eines berichtspflichtigen Unternehmens sind, werden Sie indirekt über die Value-Chain-Berichterstattung betroffen. Großkunden fordern bereits jetzt Scope-3-Daten und ESG-Kennzahlen ein, um ihre eigenen Berichte erstellen zu können.


Fristen und Zeitplan

9. Wann müssen berichtspflichtige Unternehmen erstmals berichten?

Der Zeitplan nach Omnibus im Überblick:

Welle 1 — Große börsennotierte (ehem. NFRD-pflichtig)
├── Berichten seit GJ 2024 nach aktuellen ESRS
├── Quick-Fix-Erleichterungen für GJ 2025 + 2026
└── Ab GJ 2027: Umstellung auf überarbeitete ESRS

Welle 2 — Große nicht-börsennotierte Unternehmen
├── Ursprünglich: GJ 2025
├── Jetzt: verschoben auf GJ 2027
└── Erstbericht in 2028

Welle 3 — Börsennotierte KMU
├── Ursprünglich: GJ 2026
├── Jetzt: verschoben auf GJ 2028
└── Freiwilliger VSME-Standard als Alternative

10. Bis wann muss Deutschland die Omnibus-Richtlinie umsetzen?

Die Frist für die nationale Umsetzung liegt bei 19. März 2027. Das deutsche CSRD-Umsetzungsgesetz befindet sich im Gesetzgebungsverfahren — ein Regierungsentwurf wurde im September 2025 vorgelegt. Bis zur nationalen Umsetzung gilt das bisherige CSR-RUG von 2017.

11. Was bedeutet „Stop the Clock“ konkret?

Die Stop-the-Clock-Richtlinie verschob die Erstanwendung für Welle-2- und Welle-3-Unternehmen um jeweils zwei Jahre. Dadurch gewinnen Unternehmen Zeit, um Berichtsstrukturen aufzubauen — sollten das Geschäftsjahr 2026 aber nutzen, statt abzuwarten.

12. Wann werden die überarbeiteten ESRS veröffentlicht?

Die überarbeiteten ESRS-Standards sollen voraussichtlich im Q2 2026 als delegierte Rechtsakte veröffentlicht werden. Ab GJ 2027 sind sie verpflichtend, ab GJ 2026 freiwillig anwendbar.


Berichtsinhalt und Standards

13. Wie viele Datenpunkte müssen nach den neuen ESRS berichtet werden?

Das ursprüngliche ESRS Set 1 umfasste 1.178 Datenpunkte. Die überarbeiteten Standards reduzieren die verpflichtenden Datenpunkte um 61 Prozent und die Gesamtzahl aller Datenpunkte (verpflichtend + freiwillig) um 68 Prozent. Das entspricht rund 460 verpflichtenden Datenpunkten statt bisher 1.178.

14. Welche ESRS-Themen sind Pflicht, welche dürfen verschoben werden?

Pflicht ab dem ersten Berichtsjahr:

  • ESRS E1 — Klimawandel
  • ESRS S1 — Eigene Belegschaft
  • ESRS G1 — Unternehmensführung
  • Double-Materiality-Analyse (Wesentlichkeitsanalyse)

Dürfen zunächst ausgelassen werden (Phase-in):

  • ESRS E4 — Biodiversität und Ökosysteme
  • ESRS S2 — Arbeitnehmer in der Wertschöpfungskette
  • ESRS S3 — Betroffene Gemeinschaften
  • ESRS S4 — Verbraucher und Endnutzer
  • Finanzielle Auswirkungen von Nachhaltigkeitsthemen (verschoben auf GJ 2027)

15. Was ist die Double-Materiality-Analyse?

Die doppelte Wesentlichkeitsanalyse untersucht zwei Perspektiven: Welche Nachhaltigkeitsthemen haben eine finanzielle Auswirkung auf Ihr Unternehmen (Financial Materiality)? Und welche Auswirkungen hat Ihr Unternehmen auf Umwelt und Gesellschaft (Impact Materiality)? Nur Themen, die in mindestens einer Perspektive wesentlich sind, müssen berichtet werden.

16. Ist eine externe Prüfung des Berichts Pflicht?

Ja, aber mit eingeschränkter Sicherheit. Der CSRD-Bericht muss mit „Limited Assurance“ geprüft werden — das ist weniger umfangreich als die „Reasonable Assurance“ der Jahresabschlussprüfung. Eine Verschärfung auf Reasonable Assurance ist frühestens ab 2028 geplant.


Praxisfragen: Daten, Systeme und Umsetzung

17. Welche Daten brauche ich für den CSRD-Bericht?

Die wichtigsten Datenfelder im Überblick:

Kategorie Beispieldaten Typische Quelle
Klima (E1) Scope 1+2+3 Emissionen, Energieverbrauch ERP, Energieversorger, Lieferanten
Belegschaft (S1) Headcount, Gender Pay Gap, Unfallrate HR-System, Payroll
Governance (G1) Vergütungspolitik, Anti-Korruption Compliance, Vorstand
Wesentlichkeit Stakeholder-Befragung, Risiko-Scores Workshop-Ergebnisse

18. Kann ich ESG-Daten automatisiert sammeln?

Ja — und das ist unsere klare Empfehlung. Manuelle Excel-Sammlungen skalieren nicht und sind fehleranfällig. Eine automatisierte ESG-Datenpipeline verbindet ERP, HR-System und Energiedaten in einer zentralen Plattform. Wir setzen dafür auf Microsoft Fabric als Datenplattform, die sowohl strukturierte als auch unstrukturierte ESG-Daten verarbeiten kann.

19. Wie lange dauert die Erstimplementierung realistisch?

Rechnen Sie mit 6 bis 12 Monaten von der Wesentlichkeitsanalyse bis zum ersten prüffähigen Bericht. Die typische Roadmap:

  1. Monat 1–2: Double-Materiality-Analyse, Gap-Assessment
  2. Monat 3–4: Datenquellen identifizieren, Datenpipeline aufbauen
  3. Monat 5–8: Daten sammeln, Kennzahlen berechnen, Bericht schreiben
  4. Monat 9–12: Interne Review, externe Prüfung, Veröffentlichung

20. Was kostet ein CSRD-Bericht?

Die Kosten variieren stark nach Unternehmensgröße und Komplexität. Als Orientierung:

  • Wesentlichkeitsanalyse: 15.000–40.000 Euro
  • Datenpipeline-Aufbau: 30.000–80.000 Euro (einmalig)
  • Berichtserstellung: 20.000–60.000 Euro pro Jahr
  • Externe Prüfung: 10.000–30.000 Euro pro Jahr

Unternehmen, die früh in eine automatisierte Datenpipeline investieren, sparen ab dem zweiten Berichtsjahr erheblich — weil die Datensammlung dann zu 80 Prozent automatisiert läuft.


Strategische Fragen für den Mittelstand

21. Mein Unternehmen fällt nicht unter die neuen Schwellenwerte. Kann ich das Thema ignorieren?

Nein. Drei Gründe sprechen dagegen:

  1. Lieferketten-Druck: Ihre Großkunden brauchen Scope-3-Daten von Ihnen, um ihren eigenen CSRD-Bericht zu erstellen. Die erste Welle der Datenanfragen läuft bereits seit H1 2026.
  2. Banken-Anforderungen: Die EBA Green Asset Ratio verlangt von Banken ESG-Daten ihrer Kreditnehmer. Fehlende Daten erschweren die Kreditvergabe.
  3. Wettbewerbsvorteil: Wer proaktiv ESG-Daten bereitstellt, positioniert sich als bevorzugter Lieferant.

22. Welche Anforderungen stellen Großkunden an ihre Zulieferer?

Berichtspflichtige Unternehmen müssen über ihre gesamte Wertschöpfungskette berichten. In der Praxis bedeutet das: Sie als Zulieferer erhalten strukturierte Fragebögen zu CO2-Emissionen, Energieverbrauch, Arbeitsbedingungen und Governance-Strukturen. Über 100 der ESRS-Datenpunkte beziehen sich direkt auf die Lieferkette.

23. Wie bereite ich mich als Nicht-Berichtspflichtiger sinnvoll vor?

Unsere Empfehlung ist ein schlankes ESG-Daten-Readiness-Programm in drei Schritten:

  1. Bestandsaufnahme: Welche ESG-Daten erheben Sie bereits (z. B. Energieverbrauch, Mitarbeiterkennzahlen)?
  2. Gap-Analyse: Welche Daten fordern Ihre Top-10-Kunden? Wo sind die Lücken?
  3. Datenpipeline: Aufbau einer schlanken, automatisierten ESG-Datenerfassung — kein Vollbericht, sondern gezielte Datenbereitstellung

Ein AI Readiness Assessment hilft, den Reifegrad Ihrer Dateninfrastruktur zu bewerten und Quick Wins zu identifizieren.

24. Welche Rolle spielt KI beim ESG-Reporting?

KI beschleunigt drei Bereiche des ESG-Reportings erheblich:

  • Datenextraktion: Automatisches Auslesen von Energierechnungen, Lieferantenfragebögen und HR-Berichten
  • Anomalie-Erkennung: Identifikation von Datenausreißern und Inkonsistenzen vor der Prüfung
  • Berichtsgenerierung: Automatische Textbausteine für wiederkehrende Berichtsteile

In unseren ESG-Reporting-Projekten setzen wir KI-gestützte Datenpipelines ein, die den manuellen Aufwand um bis zu 70 Prozent reduzieren.


Prüfung, Haftung und Compliance

25. Wer haftet bei fehlerhafter CSRD-Berichterstattung?

Die Haftung liegt beim Vorstand bzw. der Geschäftsführung — analog zur Verantwortung für den Jahresabschluss. Falsche oder unvollständige Angaben im Nachhaltigkeitsbericht können zu Bußgeldern und persönlicher Haftung führen. Die konkreten Sanktionen werden im nationalen Umsetzungsgesetz geregelt.

26. Was passiert, wenn ich nicht berichte?

Wer berichtspflichtig ist und keinen Bericht vorlegt, verstößt gegen EU-Recht. Die Mitgliedstaaten müssen wirksame, verhältnismäßige und abschreckende Sanktionen festlegen. In der Praxis drohen Bußgelder, Einträge im Unternehmensregister und Reputationsschäden bei Investoren und Kunden.

27. Gibt es Erleichterungen für den Erstbericht?

Ja. Neben den Phase-in-Bestimmungen (siehe Frage 14) gibt es sogenannte Quick-Fix-Erleichterungen für GJ 2025 und 2026: vereinfachte Scope-3-Berechnung, Verzicht auf bestimmte Vergleichszahlen und reduzierte Angaben zur Biodiversität.


Nächste Schritte

28. Was sollte ich als Erstes tun?

Unser empfohlener 3-Schritte-Plan:

Schritt 1 — Betroffenheits-Check (diese Woche):

Prüfen Sie, ob Ihr Unternehmen die neuen Schwellenwerte (>1.000 MA, >450 Mio. Euro Umsatz) überschreitet. Falls ja: Sie sind berichtspflichtig ab GJ 2027.

Schritt 2 — Daten-Readiness prüfen (Q2 2026):

Identifizieren Sie Ihre ESG-Datenquellen und bewerten Sie, wie weit Ihre aktuelle IT-Infrastruktur für automatisiertes ESG-Reporting vorbereitet ist. Ein Workshop mit unseren ESG- und Data-Experten bringt Klarheit in einem Tag.

Schritt 3 — ESG-Datenpipeline aufbauen (H2 2026):

Bauen Sie eine automatisierte Pipeline auf, die ESG-Daten aus ERP, HR und Energiemanagement zentral zusammenführt. So sind Sie für den Erstbericht 2028 vorbereitet — und können Kundenanfragen schon vorher bedienen.


FAQ — Die 5 häufigsten Fragen auf einen Blick

Bin ich nach Omnibus noch berichtspflichtig?

Nur wenn Ihr Unternehmen mehr als 1.000 Mitarbeitende UND mehr als 450 Mio. Euro Nettoumsatz hat. Alle anderen fallen aus der direkten Pflicht heraus.

Wann muss ich erstmals berichten?

Welle-2-Unternehmen berichten erstmals über das Geschäftsjahr 2027 — der Bericht wird 2028 veröffentlicht.

Wie viele Datenpunkte muss ich liefern?

Die überarbeiteten ESRS reduzieren die verpflichtenden Datenpunkte um 61 Prozent — von 1.178 auf rund 460.

Brauche ich als KMU eine ESG-Strategie?

Nicht gesetzlich — aber praktisch ja. Großkunden und Banken fordern ESG-Daten über die Lieferkette ein. Wer keine liefert, verliert Aufträge.

Wo fange ich am besten an?

Mit einer Gap-Analyse: Welche ESG-Daten haben Sie, welche fehlen? Daraus ergibt sich der konkrete Handlungsbedarf. Unsere Referenzprojekte zeigen typische Umsetzungen.


Fazit

Die Omnibus-Richtlinie 2026 ist eine echte Entlastung — aber kein Freifahrtschein. Selbst wenn Ihr Unternehmen nicht mehr direkt berichtspflichtig ist, werden ESG-Daten zum Standard in der Geschäftsbeziehung. Großkunden, Banken und Investoren fordern Transparenz — und zwar jetzt, nicht erst 2028.

Der smarteste Schritt: Nutzen Sie das Geschäftsjahr 2026, um eine schlanke ESG-Datenpipeline aufzubauen. Wer automatisiert, spart langfristig Kosten und ist bei jeder regulatorischen Verschärfung vorbereitet.

Sprechen Sie mit unseren ESG- und Data-Experten: Termin vereinbaren →


Quellen: Omnibus I-Richtlinie — CSR in Deutschland, Kleeberg — Omnibus-Änderungen im EU-Amtsblatt, Rödl & Partner — Nachhaltigkeitsberichterstattung 2026, Forvis Mazars — Neue Schwellenwerte ab 2027, BDO — Überarbeitete ESRS strategisch einordnen

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