Constantin Budin, Azure- und Microsoft-Berater bei Pexon Consulting | 9 Min. Lesezeit | 22.09.2026
TL;DR: Copilot Claude in fünf Sätzen
Microsoft bietet Claude in Copilot, Researcher, Copilot Studio und Power Platform an, Anthropic arbeitet dabei als Subprozessor von Microsoft. In der EU, der EFTA und Großbritannien ist Claude standardmäßig aus. Der Grund: Die Anthropic-Modelle sind von der EU Data Boundary ausgenommen. Fable 5 läuft zusätzlich unter Anthropics eigenen Bedingungen.
| Frage | Claude in Microsoft Copilot | Claude auf Microsoft Foundry |
|---|---|---|
| Rolle von Anthropic | Subprozessor von Microsoft | eigener, unabhängiger Verarbeiter |
| Vertrag | Microsoft Product Terms und DPA | Anthropic Commercial Terms und DPA |
| EU Data Boundary | ausdrücklich ausgenommen | keine EU-Verarbeitung für Claude |
| Standard in der EU | aus, Admin muss einschalten | Bereitstellung durch Sie |
Das Problem: „Claude ist doch in unserem Microsoft-Vertrag“
Diesen Satz hören wir in fast jedem Gespräch mit Unternehmen, die auf Microsoft 365 setzen. Er ist halb richtig. Seit Microsoft Anthropic als Subprozessor aufgenommen hat, gelten für die meisten Claude-Modelle in Copilot tatsächlich die Microsoft Product Terms und das Microsoft DPA. Das ist ein echter Fortschritt gegenüber früher, als Admins Anthropics eigenen Bedingungen zustimmen mussten.
Die andere Hälfte steht ein paar Absätze weiter unten in derselben Microsoft-Doku: Die Anthropic-Modelle sind von der EU Data Boundary ausgenommen, ebenso von zugesagter Verarbeitung im Land. Für Kunden in der EU und in Großbritannien sind sie deshalb standardmäßig abgeschaltet.
Heißt konkret: Der Vertrag ist Microsoft, der Verarbeitungsort ist es nicht zwingend. Wer seinem Datenschutz „läuft alles in der EU Data Boundary“ versprochen hat, kann Claude in Copilot nicht einfach dazuschalten.
Wo Claude in Microsoft Copilot überall steckt
Microsoft nennt in der Doku (Stand 18.09.2026) diese Stellen, an denen Anthropic-Modelle genutzt werden können:
- Microsoft Copilot im Web, auf dem Desktop und mobil, mit Hinweis in der Oberfläche, wenn Claude antwortet
- Researcher, wo Nutzer Claude als Modell auswählen können
- Copilot in Microsoft 365 Apps, etwa „Edit with Copilot“ in Word, Excel und PowerPoint
- Copilot Studio, wo Ersteller das Modell beim Bau eines Agenten wählen
- Power Platform, freizugeben zusätzlich im Power Platform Admin Center
Eine Namensänderung sorgt nebenbei für Verwirrung: Microsoft 365 Copilot heißt inzwischen Microsoft Copilot, Microsoft 365 Copilot Chat heißt Microsoft Copilot Chat. An Sicherheit und Datenschutz ändert das laut Microsoft nichts.
Claude in Copilot freischalten: so geht es
Freischalten kann nur jemand mit der Rolle AI Administrator oder Global Administrator. Der Weg im Microsoft 365 Admin Center:
Microsoft 365 Admin Center
> Copilot > Settings > View all
> AI providers operating as Microsoft subprocessors
> Anthropic auswählen > Save
> "Choose who can access Anthropic models ..." > Benutzer oder Gruppen wählen > Save
Unsere klare Empfehlung: nie für alle Nutzer auf einmal. Die Zuweisung geht über Entra-ID-Sicherheitsgruppen und wirkt in Copilot und Copilot Studio gleichermaßen. Starten Sie mit einer Pilotgruppe, deren Daten der Datenschutz vorher bewertet hat.
Zwei Details aus der Doku, die oft übersehen werden:
- Wer in der EU, der EFTA oder Großbritannien Claude früher unter Anthropics eigenen Bedingungen freigeschaltet hatte, muss erneut zustimmen. Der Schalter steht wieder auf aus.
- Seit dem 3. April 2026 gibt es für diese Regionen eine eigene Einstellung, um Anthropic als Standardmodell für Copilot in Word, Excel und PowerPoint zu setzen.
Die Fable-Falle: Modelle mit Datenspeicherung
Hier wird es für regulierte Unternehmen heikel. Microsoft unterscheidet zwei Klassen:
| Normale Anthropic-Modelle | „Anthropic models with Data Retention“ | |
|---|---|---|
| Beispiele | Opus, Sonnet, für manche Organisationen Fable 5.1 | Fable 5, Mythos 5 |
| Rolle von Anthropic | Subprozessor von Microsoft | unabhängiger Verarbeiter |
| Vertrag | Microsoft Product Terms und DPA | Anthropic Commercial Terms und DPA |
| Speicherung | keine Speicherung bei Anthropic | bis zu 30 Tage bei Anthropic |
| Freischaltung | Subprozessor-Einstellung | zusätzlicher, eigener Schalter |
Die Details stehen in der Microsoft-Doku: Bei Modellen mit Datenspeicherung speichert Anthropic die meisten Ein- und Ausgaben bis zu 30 Tage. Erkennen die Klassifikatoren einen möglichen Verstoß gegen die Nutzungsrichtlinie, kann der Inhalt bis zu zwei Jahre aufbewahrt werden, die Bewertungen bis zu sieben Jahre. Diese Daten fallen ausdrücklich nicht unter Ihren Microsoft-Kundenvertrag.
Für bestimmte Organisationen läuft Fable 5.1 dagegen als Subprozessor-Modell ohne Speicherung bei Anthropic. Ob das für Sie gilt, klärt laut Microsoft das Account-Team. Unsere Erfahrung: Genau das sollte schriftlich vorliegen, bevor jemand den zweiten Schalter umlegt. Mehr zu Fable außerhalb von Copilot steht in unserem Artikel über Claude Fable 5 im Unternehmen.
Was vor der Freischaltung geklärt sein sollte
Der Schalter im Admin Center ist in zwei Minuten umgelegt. Was danach fehlt, merkt man meist erst beim ersten Audit. Diese fünf Punkte sollten vorher schriftlich stehen:
- Rechtsgrundlage für die Verarbeitung außerhalb der EU Data Boundary. Microsoft sagt für Claude keine Verarbeitung in der EU zu. Der Datenschutz muss bewerten, welche Datenkategorien das zulassen.
- Pilotgruppe per Entra-ID-Gruppe. Wer darf Claude nutzen, und mit welchen Daten? Die Zuweisung auf Anbieterebene wirkt in Copilot und Copilot Studio gleichermaßen.
- Umgang mit Modellen mit Datenspeicherung. Ob der zweite Schalter für Fable 5 und Mythos 5 jemals umgelegt wird, sollte eine bewusste Entscheidung sein, keine Nebenwirkung.
- Verzeichnis der Verarbeitungstätigkeiten und DSFA. Anthropic als Subprozessor und die Ausnahme von der EU Data Boundary gehören dort hinein.
- Mitbestimmung. Wenn Copilot mit Claude das Verhalten von Beschäftigten auswertbar macht, ist in Deutschland oft der Betriebsrat zu beteiligen. Das kostet Wochen, nicht Minuten. Planen Sie diese Zeit von Anfang an ein, statt nach dem Pilotstart zurückzurudern.
Copilot, Foundry oder eigene Cloud: was passt wann
Microsoft-Kunden haben drei Wege zu Claude, und sie unterscheiden sich stärker, als die gemeinsame Marke vermuten lässt:
- Copilot mit Claude passt für Büroarbeit in Word, Excel, Outlook und Teams, wenn der Datenschutz die Ausnahme von der EU Data Boundary für eine definierte Nutzergruppe akzeptiert.
- Microsoft Foundry passt für eigene Anwendungen, wenn eine Verarbeitung außerhalb der EU vertretbar ist. Anthropic ist dort eigener Verarbeiter mit eigenem DPA, eine EU-Verarbeitung gibt es für Claude nicht.
- Amazon Bedrock oder Google Vertex AI sind heute die einzigen Wege zu Claude mit Verarbeitung in der EU, auch für Microsoft-Häuser. Wie sich das mit einem Claude-Plan von Anthropic vergleicht, zeigt unser Leitfaden Claude Enterprise oder Bedrock.
Wir raten davon ab, die Entscheidung dem Standard-Schalter zu überlassen. In Regionen außerhalb der EU ist Claude in Copilot für die meisten Kunden automatisch an, und Unternehmen mit Standorten in den USA oder Asien haben es dort womöglich schon im Einsatz, ohne dass die Zentrale davon weiß.
Häufig gestellte Fragen
Gibt es Claude in Microsoft Copilot?
Ja. Microsoft bietet Anthropic-Modelle in Microsoft Copilot, Researcher, Copilot Studio, Power Platform und Copilot in den Microsoft 365 Apps an. In der EU, der EFTA und Großbritannien sind sie standardmäßig ausgeschaltet und müssen von einem AI Administrator oder Global Administrator freigeschaltet werden.
Ist Claude in Copilot DSGVO-konform?
Das hängt von Ihrer Bewertung ab. Für die meisten Modelle gilt das Microsoft DPA, Anthropic ist Subprozessor. Die Modelle sind aber von der EU Data Boundary ausgenommen, eine Verarbeitung in der EU ist also nicht zugesagt. Das muss in Verzeichnis und Datenschutz-Folgenabschätzung auftauchen.
Warum ist Claude in Copilot in der EU ausgeschaltet?
Weil die Anthropic-Modelle laut Microsoft aktuell von der EU Data Boundary und von Zusagen zur Verarbeitung im Land ausgenommen sind. Microsoft schaltet sie deshalb für Kunden in der EU, der EFTA und Großbritannien nicht automatisch ein, sondern überlässt die Entscheidung dem Admin.
Was ist der Unterschied zwischen Claude in Copilot und Claude auf Foundry?
In Copilot ist Anthropic Subprozessor von Microsoft, es gilt das Microsoft DPA. Auf Microsoft Foundry ist Anthropic eigener Verarbeiter mit eigenem DPA. In beiden Fällen gibt es für Claude keine zugesagte Verarbeitung in der EU.
Was kostet Claude in Microsoft Copilot?
Microsoft nennt in der Doku zu Anthropic-Modellen keinen eigenen Preis, die Nutzung läuft über die jeweilige Copilot-Lizenz beziehungsweise die Abrechnung von Copilot Studio. Klären Sie mit dem Microsoft-Account-Team, ob für Ihre Lizenzform Zusatzkosten entstehen.
Nächster Schritt
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