Claude Code Web Search auf Bedrock: Was fehlt und was hilft

Claude Code Web Search: Auf Amazon Bedrock fehlt das WebSearch-Tool, auf Vertex AI läuft es. Wie Sie die Lücke mit einem MCP-Suchserver schließen und WebFetch absichern.

22 Sep.. 2026 | AI

Inhaltsverzeichnis

Robin Werner, Consultant für GenAI bei Pexon Consulting | 9 Min. Lesezeit | 22.09.2026


TL;DR: Claude Code Web Search in fünf Sätzen

Claude Code Web Search nutzt ein serverseitiges Suchwerkzeug von Anthropic. Amazon Bedrock stellt dieses Werkzeug nicht bereit, deshalb sucht Claude Code dort nicht im Web. Google Vertex AI und die Claude API können es. Der offizielle Ausweg auf Bedrock ist ein MCP-Server mit eigenem Suchanbieter. Das gehört zentral geregelt, nicht auf jedem Laptop.

Zugang WebSearch in Claude Code Anmerkung
Claude API ja Such-Backend von Anthropic
Claude Platform on AWS ja wie Claude API
Google Vertex AI ja ab Claude 4, auch Haiku
Microsoft Foundry nur „hosted on Anthropic“ bei „hosted on Azure“ schlägt der Aufruf fehl
Amazon Bedrock nein eigener Suchanbieter über MCP nötig

Das Problem: „Claude Code findet nichts im Web“

Die Meldung kommt fast immer in der zweiten Woche nach der Einführung über Bedrock. Ein Entwickler fragt Claude Code nach einer aktuellen Bibliotheksversion, einem neuen API-Parameter oder einer Fehlermeldung aus einem Forum, und Claude Code antwortet aus seinem Trainingswissen statt aus dem Netz. Das wirkt wie ein Fehler, ist aber dokumentiertes Verhalten.

Die Claude-Code-Doku zu Bedrock sagt es in einem Satz: Das WebSearch-Tool ist auf Amazon Bedrock nicht verfügbar. Der Grund liegt eine Ebene tiefer. WebSearch ruft das serverseitige Suchwerkzeug von Anthropic auf, und Bedrock bietet dieses Werkzeug nicht an. Claude Code kann es dort also gar nicht nutzen, egal welche Einstellung gesetzt ist.

Für viele Aufgaben ist das egal. Für andere ist es ein echtes Problem: Abhängigkeiten aktualisieren, Sicherheitswarnungen zu einer Bibliothek prüfen, ein neues SDK einbinden. Genau dort braucht das Modell aktuelle Informationen, die nach seinem Trainingsstand entstanden sind.


WebSearch und WebFetch: zwei verschiedene Werkzeuge

Claude Code hat zwei Werkzeuge fürs Netz, und sie funktionieren unterschiedlich:

  • WebSearch schickt eine Suchanfrage an das Such-Backend von Anthropic und bekommt Titel und URLs zurück. Die Seiten selbst lädt es nicht. Pro Aufruf kann es intern bis zu acht Suchen ausführen. Das ist das serverseitige Werkzeug, das auf Bedrock fehlt.
  • WebFetch lädt eine konkrete URL und gibt den Inhalt an das Modell. Das funktioniert auch auf Bedrock, weil der Abruf nicht über das Such-Backend von Anthropic läuft.

Heißt praktisch: Wenn ein Entwickler die URL selbst angibt, kann Claude Code die Seite auch auf Bedrock lesen. Was fehlt, ist das Finden.

Ein Detail zu WebFetch, das gerade in abgeschotteten Netzen wichtig ist: Vor jedem Abruf schickt Claude Code den Hostnamen zur Prüfung gegen eine Sperrliste an api.anthropic.com, laut Doku nur den Hostnamen, nicht die URL oder den Inhalt. Diese Prüfung läuft bei jedem Anbieter, auch auf Bedrock. Ist api.anthropic.com im Firmennetz gesperrt, schlagen WebFetch-Aufrufe fehl, bis die Einstellung skipWebFetchPreflight gesetzt ist. Wer sie abschaltet, sollte WebFetch über Berechtigungsregeln auf freigegebene Domains begrenzen.


Der offizielle Ausweg: ein MCP-Server mit Suchwerkzeug

Die Doku ist an dieser Stelle klar: Das Such-Backend von WebSearch lässt sich nicht konfigurieren. Wer mit einem anderen Anbieter suchen will, bindet einen MCP-Server ein, der ein Suchwerkzeug bereitstellt. Claude Code nutzt dieses Werkzeug dann wie jedes andere.

So sieht das als projektweite .mcp.json aus. Das Paket und der Suchanbieter sind Platzhalter für den Dienst, den Ihr Unternehmen freigibt:

{
  "mcpServers": {
    "websuche": {
      "command": "npx",
      "args": ["-y", "<paket-des-freigegebenen-suchservers>"],
      "env": {
        "SEARCH_API_KEY": "${SEARCH_API_KEY}"
      }
    }
  }
}

Dazu passende Berechtigungen in der verwalteten Settings-Datei, damit Claude Code nur den freigegebenen Suchserver nutzt und WebFetch auf bekannte Domains beschränkt bleibt:

{
  "permissions": {
    "allow": ["mcp__websuche", "WebFetch(domain:docs.aws.amazon.com)"],
    "deny": ["WebSearch"]
  }
}

Die Entscheidung, welcher Suchanbieter es wird, ist keine technische, sondern eine datenschutzrechtliche. Jede Suchanfrage verlässt Ihr Netz und landet beim Anbieter. Suchanfragen von Entwicklern enthalten oft mehr, als man denkt: Projektnamen, Fehlermeldungen mit Pfaden, interne Bezeichnungen. Wir raten dazu, den Anbieter wie jeden anderen Auftragsverarbeiter zu bewerten und nicht den ersten Treffer aus einem GitHub-Repository zu nehmen.


Vertex, Foundry und das Gateway: was dort gilt

Google Vertex AI kann WebSearch in Claude Code mit Claude 4 und neueren Modellen, darunter Opus, Sonnet und Haiku. Für die Suche berechnet Google laut Preisangabe 10 USD je 1.000 Suchen, zusätzlich zu den Tokens. Wer ohnehin zwischen Bedrock und Vertex schwankt und Web Search braucht, hat hier ein echtes Argument für Vertex.

Microsoft Foundry unterstützt WebSearch nur bei Deployments, die „hosted on Anthropic“ laufen. Bei „hosted on Azure“ unterstützen die Deployments keine serverseitigen Werkzeuge, der Aufruf schlägt fehl. Das ist ein Zielkonflikt: Wer Azure-Hosting wählt, damit die Daten in Azure bleiben, verliert die Suche.

Claude apps gateway, das selbst gehostete Gateway von Anthropic, reicht die serverseitige Websuche in Claude Code laut Doku nicht durch. Auch dort bleibt der Weg über einen MCP-Suchserver.

Eigene Anwendungen auf Bedrock sind ein Sonderfall. Laut AWS-Doku bietet der Mantle-Endpunkt von Bedrock eigene, serverseitig vorkonfigurierte Werkzeuge, darunter eine Websuche von AWS. Das ist nicht das Suchwerkzeug von Anthropic, und die Claude-Code-Doku beschreibt keine Nutzung dieser AWS-Suche aus Claude Code heraus. Für Agenten, die Sie selbst mit dem Claude Agent SDK oder der Messages API bauen, lohnt sich der Blick darauf trotzdem, weil dann kein zusätzlicher Suchanbieter nötig ist. Prüfen Sie vorher, in welcher Region der Mantle-Endpunkt für Ihr Modell läuft: Claude-Modelle gibt es auf Mantle in der EU nur in Stockholm und Irland.

Eine Grenze gilt überall: Eine Sitzung darf höchstens 200 WebSearch-Aufrufe machen, gezählt über die Hauptsitzung und alle Subagenten. Über CLAUDE_CODE_MAX_WEB_SEARCHES_PER_SESSION lässt sich das Limit anheben, abschalten lässt es sich nicht.


Unsere Empfehlung für Teams auf Bedrock

Wir sehen drei Wege, und die Wahl hängt vom Bedarf ab:

  1. Ohne Websuche arbeiten und WebFetch gezielt freigeben. Für Teams, die vor allem an internem Code arbeiten, reicht es oft, wenn Entwickler Links zu Dokumentation selbst angeben. Günstig und datenschutzfreundlich.
  2. Ein freigegebener MCP-Suchserver für alle. Für Teams, die regelmäßig mit neuen Bibliotheken arbeiten. Zentral in der verwalteten Settings-Datei, mit bewertetem Anbieter und Protokollierung.
  3. Vertex AI für die Teams, die Suche brauchen. Wenn die Suche ein Muss ist und das Unternehmen ohnehin Google Cloud nutzt.

Was wir ausdrücklich nicht empfehlen: jeden Entwickler selbst einen Suchserver seiner Wahl einbinden zu lassen. Dann gehen Suchanfragen an fünf verschiedene Anbieter, und niemand weiß es. Das fällt spätestens bei der nächsten Datenschutzprüfung auf, und dann ist das Aufräumen teurer als eine saubere Entscheidung am Anfang.

Das läuft jetzt im POC. Was für den Produktivbetrieb fehlt: ein bewerteter Suchanbieter, Berechtigungsregeln für WebSearch und WebFetch auf allen Geräten, eine geklärte WebFetch-Prüfung im Firmennetz und feste Modelle. Genau das richten wir beim Betrieb von Claude Code über Ihre Cloud ein.

Welche Modelle Claude Code auf Bedrock standardmäßig nutzt und warum Sie sie festlegen sollten, steht in unserem Beitrag Claude Code Model.


Häufig gestellte Fragen

Warum funktioniert die Websuche in Claude Code auf Bedrock nicht?

Weil WebSearch das serverseitige Suchwerkzeug von Anthropic nutzt und Amazon Bedrock dieses Werkzeug nicht anbietet. Die Claude-Code-Doku nennt das ausdrücklich. Es ist also kein Konfigurationsfehler, sondern eine Eigenschaft der Plattform.

Wie bekomme ich eine Websuche in Claude Code auf Bedrock?

Über einen MCP-Server, der ein Suchwerkzeug bereitstellt. Das Such-Backend von WebSearch selbst lässt sich laut Doku nicht umstellen. Den MCP-Server binden Sie per .mcp.json ein und steuern die Nutzung über Berechtigungsregeln in einer verwalteten Settings-Datei.

Funktioniert WebFetch in Claude Code auf Bedrock?

Ja. WebFetch lädt eine angegebene URL und braucht das Such-Backend nicht. Vor jedem Abruf prüft Claude Code aber den Hostnamen bei api.anthropic.com. Ist diese Adresse gesperrt, schlagen Abrufe fehl, bis skipWebFetchPreflight gesetzt ist.

Was kostet die Websuche in Claude Code?

Auf Google Vertex AI nennt Google 10 USD je 1.000 Suchen, zusätzlich zu den Tokens für Suchergebnisse. Bei einem eigenen MCP-Suchserver gelten die Preise des gewählten Suchanbieters. Pro Sitzung sind standardmäßig höchstens 200 Suchen erlaubt.

Ist Claude Code auf Vertex AI besser als auf Bedrock?

Für die Websuche ja, dort funktioniert WebSearch ab Claude 4. Bei anderen Punkten liegt Bedrock vorn, etwa bei der Einzelregion in der EU über Mantle. Die Entscheidung hängt davon ab, welche Funktionen Ihre Teams wirklich brauchen und welche Cloud Sie schon betreiben.


Nächster Schritt

Claude Code über die eigene Cloud
Die Suche fehlt nicht zufällig. Sie gehört in die Architektur.
Wir richten Claude Code über Bedrock oder Vertex in der EU ein, inklusive freigegebener Suchwerkzeuge, Domain-Regeln für WebFetch und einer verwalteten Settings-Datei für alle Geräte.

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