Pexon Consulting | 9 Min. Lesezeit | 01.06.2026
TL;DR
Manager im Werk wollen wissen, was Claude Code kann und was nicht, bevor sie Engineers ranlassen. Pexon Manager-Bootcamp Claude Code Fertigung: ein Tag, drei Rollen am Tisch — Werks-IT, Produktionsleitung, Betriebsrat. ROI-Diskussion, kein Code. 2.500 EUR pro Person, maximal zehn Köpfe. Am Ende: Pilot-Setup und BR-Mitbestimmungs-Position auf einer A4-Seite.
Warum ein eigenes Format für Manager und nicht Werker
Wir hatten lange den umgekehrten Ansatz: zuerst Engineers schulen, dann Manager überzeugen. Das hat in fünf von sieben Hidden-Champion-Fertigungsbetrieben 2025 nicht funktioniert. Der typische Pattern: Engineers waren begeistert, der Werksleiter hat den Use-Case nicht abnehmen können (weil nicht verstanden), der Betriebsrat wurde im letzten Schritt informiert und hat blockiert (weil überrumpelt), das Projekt ist nach drei Monaten still gestorben.
Wir haben das Format umgedreht. Tag 1 bekommt heute eine andere Zielgruppe: Werks-IT (technische Verantwortung), Produktionsleitung (Use-Case-Verantwortung) und Betriebsrat (Mitbestimmung). Kein Werker, kein Engineer, keine Hands-on-Übungen. Sprache ist Manager-Deutsch, Fokus ist ROI und Risiko-Bewertung, Output ist eine Entscheidung: Wo startet der Pilot, wer zahlt was, was sagt der BR dazu.
Das ist kein Tutorial-Format. Wer Tutorials sucht, ist im 2-Tages-Engineer-Bootcamp besser aufgehoben (das gibt es separat). Wer eine produktive Pilot-Entscheidung in 8 Stunden mit den drei Schlüsselrollen aus dem Werk treffen will, ist hier richtig.
Was Claude Code in der Fertigung tatsächlich kann
Wir sind in den letzten neun Monaten in vier Fertigungsbetrieben gewesen. Sortiert nach belastbarem ROI, nicht nach Buzzword-Potential — das sind die Use-Cases, die in deiner Werks-IT mit hoher Wahrscheinlichkeit funktionieren.
MES-Skript-Automatisierung. Werks-IT-Teams pflegen oft hunderte kleiner Skripte für SAP-Buchungs-Adaptionen, Schichtwechsel-Reports, Material-Bewegungs-Auswertungen. Claude Code, in einer abgeschotteten Entwicklungs-Umgebung mit Read-Zugriff auf die MES-Skript-Library, beschleunigt Neuentwicklung und Wartung dieser Skripte um Faktor 3 bis 5. Wir messen 30 bis 60 Stunden pro Monat Zeitersparnis pro IT-Team mittlerer Größe.
Technische Dokumentation aus Code generieren. Werks-IT-Code ist historisch dokumentationsarm. Claude Code liest die Skripte und generiert Inline-Dokumentation, Architektur-Übersichten und Handover-Notizen für neue Team-Mitglieder. Das ist kein Sexy-Use-Case, aber er löst ein konkretes Problem: Wissen verschwindet mit ausscheidenden Mitarbeitern. Ein gutes Pilot-Projekt, das niemand blockiert.
Datenqualitäts-Audits. Stammdaten in SAP, MES und Qualitätssicherungs-Systemen weichen oft auseinander. Ein Claude-Code-basierter Audit-Agent, der die drei Datenquellen liest und Diskrepanzen markiert, ersetzt einen mehrtägigen manuellen Abgleich pro Quartal. Das ist niedriges Risiko-Profil (Read-Only, kein Schreibzugriff auf Produktionssysteme) und hoher Mehrwert.
Schichtübergabe-Drafts. In der Fertigung gibt es täglich Schichtübergabe-Berichte. Ein Agent, der Maschinendaten-Aggregate, Stör-Meldungen und QS-Events liest und einen Übergabe-Entwurf erstellt, spart der Vorarbeiter-Ebene 20-30 Minuten pro Schicht. Hier ist die BR-Frage wichtig — dazu gleich mehr.
Was Claude Code in der Fertigung explizit nicht kann
Wer ein Bootcamp für Manager macht, muss die Grenzen klar setzen, sonst entstehen Erwartungen, die später wehtun. Drei harte Grenzen.
Erstens: Echtzeit-Steuerung. Claude Code ist kein SCADA-Ersatz, keine SPS-Programmierumgebung und kein Bediensystem für die Anlage. Inferenz-Latenz, Stochastik des Modells und die fehlende deterministische Garantie machen das technisch und sicherheitsrechtlich unmöglich. Wer in einem Workshop hört, dass „der KI-Agent die Anlage steuert“, redet entweder von etwas anderem oder über etwas, das es so nicht gibt.
Zweitens: Autonome Entscheidungen mit Personenbezug. Ein Agent, der Schichtpläne generiert, Mitarbeiter-Anwesenheit bewertet oder Leistungs-Vergleiche zwischen Werkern zieht, ist nicht ein Effizienz-Tool. Das ist ein Mitbestimmungs-Fall nach § 87 BetrVG, und ohne BR-Zustimmung darf das nicht in Betrieb gehen — auch nicht als Pilot. Wir sehen den Pattern oft: ein gut gemeinter Use-Case wird zum BR-Konflikt, weil die Mitbestimmungs-Frage zu spät kommt.
Drittens: Verbindung ins OT-Netz. Die Werks-IT und die Produktions-IT sind getrennt, das ist seit Stuxnet eine Standardanforderung und seit NIS2 verbindlich. Claude Code arbeitet in der Werks-IT, nicht im Produktionsnetz. Custom MCP-Server können kontrollierte Daten aus dem Produktionsnetz read-only in die Werks-IT spiegeln, aber nicht andersherum.
Dieser Block am Vormittag des Bootcamps macht in jeder Iteration den meisten Aufwand und ist der wertvollste Teil — weil er eine realistische Erwartungs-Grundlage für die ROI-Diskussion am Nachmittag schafft.
Die Mitbestimmungs-Frage: Warum der Betriebsrat am Tisch sitzt
Das ist der differenzierende Block, und wir bekommen am häufigsten die Frage: „Muss der BR wirklich von Tag 1 mit dabei sein?“ Unsere Antwort ist konsequent ja, und der Grund ist nicht politisch sondern juristisch.
§ 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG gibt dem Betriebsrat ein Mitbestimmungsrecht bei der „Einführung und Anwendung von technischen Einrichtungen, die dazu bestimmt sind, das Verhalten oder die Leistung der Arbeitnehmer zu überwachen“. Das BAG hat 2024 in mehreren Entscheidungen klargestellt, dass dieser Tatbestand bei KI-Systemen weit ausgelegt wird. Schon ein Claude-Code-Agent, der Schichtübergabe-Berichte aus Maschinendaten erstellt, kann darunter fallen, wenn die Daten Rückschlüsse auf einzelne Werker erlauben.
In der Praxis heißt das: Wer den BR erst nach dem Pilot-Beschluss informiert, riskiert Pilot-Abbruch, Einigungsstellen-Verfahren und einen langen Vertrauensschaden. Wer den BR von Tag 1 ins Bootcamp holt, klärt im Workshop folgende Fragen: Wo entstehen Personendaten? Wie sind sie aggregiert oder anonymisiert? Welche Use-Cases sind mitbestimmungspflichtig und welche nicht? Welche Betriebsvereinbarung passt zum Setup?
Aus den letzten vier Bootcamps haben wir das beobachtet: BRs sind nicht generell gegen KI im Werk. Sie sind gegen Überraschungen und gegen vage Aussagen. Wenn sie am Whiteboard mitdiskutieren, welche Use-Cases mitbestimmungspflichtig sind und welche nicht, kommt am Ende eine Vereinbarung raus, die schneller ist als drei Monate Verhandlung im Nachgang.
ROI-Rechnung: Was ein Pilot wirklich kostet und bringt
Hier wird der Manager-Bootcamp konkret. Wir gehen am Nachmittag durch eine Modellrechnung mit den realen Zahlen aus dem Werk — typische Eingangsgrößen sind FTE-Kosten der Werks-IT, Anzahl betreuter Skripte/Reports, Stundenlohn Vorarbeiter-Ebene, geschätzte Pilotdauer.
Ein typisches Pilot-Setup für ein mittelgroßes Werk (400-800 Mitarbeiter): Claude Code für 6 bis 10 Werks-IT-Engineers, AWS Bedrock mit EU-Profil als Inferenz-Backend, ein Use Case priorisiert (meist MES-Skript-Automatisierung). Setup-Kosten Beratung 35-60 k EUR (3-6 Wochen Aufwand), Bedrock-Inferenz 800-2.000 EUR pro Monat während Pilot, plus interner Zeitaufwand der Engineers.
Auf der Ertragsseite: Wenn der Pilot 30-60 Stunden pro Monat Engineering-Zeit freisetzt, sind das bei 95 EUR Stundenkosten 35-70 k EUR pro Jahr Einsparung allein in einem Use Case. Skaliert auf drei produktive Use Cases nach 6 Monaten landen wir typisch bei 100-180 k EUR jährlichem Effekt — bei einmaligen Setup-Kosten von 35-60 k EUR plus 10-25 k EUR jährlichen Bedrock-Kosten. Die Pay-Back-Zeit liegt typisch bei 4-7 Monaten.
Wir bauen diese Rechnung im Bootcamp mit echten Zahlen aus eurem Werk, nicht mit Modellannahmen aus dem Internet. Die Variante „wir extrapolieren von einem Pilot auf drei Use Cases“ ist die Stelle, an der die Werksleitung typischerweise nickt — und der BR sieht gleichzeitig, welche Use Cases mitbestimmungspflichtig sind.
Pilot-Setup: Was am Ende des Bootcamps steht
Output Tag-Ende ist eine einseitige Pilot-Beschluss-Vorlage, mit der die drei Rollen aus dem Werk in den Vorstand oder die Geschäftsführung gehen. Vier Felder.
Erstens: ein priorisierter Use Case mit Begründung. Aus der ROI-Diskussion am Nachmittag, mit konkreten Zahlen aus dem Werk.
Zweitens: die technische Architektur in einer kompakten Skizze. Welches Bedrock-Setup, welche Datenquellen, welche Permission-Policy, welches Sub-Netz für die Engineering-Workspaces.
Drittens: die BR-Position. Eine kurze Klärung, ob der Use Case mitbestimmungspflichtig ist, und wenn ja, welche Betriebsvereinbarung als Vorlage dient. Wir bringen eine Vorlage mit, die in zwei der vier Bootcamps direkt übernommen wurde.
Viertens: das Budget. Setup-Kosten, laufende Kosten, interner Aufwand, geplanter Zeitraum. Mit Reserve für die typischen 20 Prozent Unwägbarkeit.
Das ist kein PowerPoint-Konvolut. Das ist eine A4-Seite, die in der nächsten Geschäftsführungs-Sitzung in 8 Minuten besprechbar ist.
Worauf du beim Format achten solltest
Vier Punkte, die wir aus den ersten Bootcamps gelernt haben.
- Maximale Gruppengröße 10 Personen. Bei mehr wird die Diskussion zwischen Werks-IT, Produktion und BR nicht mehr offen genug. Ideal sind 6-8.
- Betriebsrat MUSS zugesagt haben. Wenn der BR erst zwei Wochen vorher kurzfristig absagt, lieber verschieben als ohne durchführen. Der BR-Block ist konstitutiv.
- Vorbereitungs-Fragebogen 10 Tage vorher. Wir senden eine Liste mit 12 Fragen zur Werks-IT-Realität (Skript-Anzahl, eingesetzte Systeme, bestehende Betriebsvereinbarungen zu Software). Wer das nicht vor dem Bootcamp ausfüllt, verliert am Nachmittag die ROI-Rechnung-Zeit fürs Datensammeln.
- Kein Werker im Raum. Das mag autoritär klingen, ist aber Methodik: Werker und Manager haben unterschiedliche Frageprofile. Wer beides mischt, bekommt von keiner Seite die ehrlichen Sätze.
Häufig gestellte Fragen
Was kostet das Manager-Bootcamp Claude Code Fertigung?
2.500 EUR pro Teilnehmer für den 1-Tages-Workshop, inklusive Vorbereitungs-Phase und 4-Wochen-Follow-up. Bei 6-10 Teilnehmern ergibt sich ein Gesamtumfang von 15-25 k EUR. Reisekosten und gegebenenfalls Vor-Ort-Aufwand werden separat ausgewiesen.
Warum kein Hands-on Coding für die Manager?
Weil das den Use Case verfehlt. Werks-Manager müssen nicht selbst coden können, um eine Pilot-Entscheidung zu treffen — sie müssen verstehen, was technisch möglich ist und was nicht. Hands-on-Coding ist für die Engineers im 2-Tages-Bootcamp, das im Anschluss läuft, wenn der Manager-Pilot beschlossen ist.
Können wir den Betriebsrat allein hinschicken?
Wir empfehlen das nicht. Der BR-Block funktioniert, weil die Mitbestimmungs-Diskussion mit allen drei Rollen am Whiteboard läuft. Wer den BR isoliert schult, bekommt am Ende eine Position, die nicht abgestimmt ist mit Werks-IT und Produktion.
Bringt das auch was für ein Werk unter 200 Mitarbeitern?
Ja, aber das Format verschiebt sich. Bei kleineren Werken sind die ROI-Hebel pro Use Case kleiner, dafür ist die Mitbestimmungs-Diskussion oft einfacher (weniger formalisiert). Wir empfehlen dann eine reduzierte Variante mit 4-6 Teilnehmern und einem zugeschnittenen Use-Case-Block. Preislich ändert sich nichts an den 2.500 EUR pro Person.
Was passiert nach dem Bootcamp, wenn wir den Pilot starten wollen?
Die Pilot-Beschluss-Vorlage von Tag-Ende ist die Basis für unseren 6-Wochen-Implementierungs-Pilot oder einen vergleichbaren Aufbau mit eurem internen Team. Wir bleiben 4 Wochen nach dem Bootcamp via Slack ansprechbar für Architektur-Fragen, ohne Folge-Mandat zwingend zu machen.
Nächster Schritt
Wenn dein Werk gerade evaluiert, wie KI in der Werks-IT produktiv und mitbestimmungs-konform genutzt werden kann, ist der 1-Tag-Bootcamp die schnellste Möglichkeit, in 8 Stunden eine entscheidungsreife Vorlage für die Geschäftsführung zu erarbeiten — mit allen drei Schlüsselrollen am Tisch.
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