Robin, Consultant für GenAI bei Pexon Consulting | 10 Min. Lesezeit | 21.09.2026


TL;DR: Bedrock AgentCore mit Claude in fünf Sätzen

Claude-Agenten im eigenen AWS-Konto laufen mit dem Claude Agent SDK auf Bedrock AgentCore, denn Claude Managed Agents gibt es auf Bedrock nicht. AgentCore Runtime, Gateway und Identity laufen in Frankfurt. Das Modell folgt eigenen Regeln: EU-Verarbeitung nur über das EU-Profil. Pexon Consulting (ISO 27001) richtet diese Schichten ein. Entscheidend ist jede Schicht einzeln.

Schicht In Frankfurt? Stand 21.09.2026
AgentCore Runtime, Gateway, Identity, Memory ja laut AWS-Regionstabelle
Web Search Tool von AgentCore nein, in Europa nur Irland laut AWS-Regionstabelle
Claude-Inferenz nur über das EU-Profil, verteilt in EU-Regionen laut AWS-Modellkarten
Claude Managed Agents nicht auf Bedrock laut Anthropic-Dokumentation

Das Problem: der Prototyp läuft, der Betrieb nicht

Der Agent funktioniert auf dem Laptop. Er liest Tickets, ruft zwei interne APIs auf und schreibt Antworten. Dann fragt die IT, wo er künftig läuft, wer seine Sitzungen isoliert, wo die Protokolle liegen und ob die Daten in der EU bleiben.

Die naheliegende Antwort wäre Claude Managed Agents, Anthropics gehosteter Agent-Dienst. Genau der fällt für viele Häuser aus. Übrig bleibt die Frage, wie man einen Agenten mit dem Claude Agent SDK im eigenen AWS-Konto betreibt, ohne Sandbox, Sitzungszustand und Credentials selbst zu bauen. Bedrock AgentCore ist die AWS-Antwort darauf, seit 13. Oktober 2025 allgemein verfügbar.


Warum nicht einfach Claude Managed Agents?

Die kurze Antwort: Managed Agents läuft nur bei Anthropic, nicht in Ihrer Cloud.

Plattform Claude Managed Agents Wer verarbeitet EU-Verarbeitung belegt
Anthropic API ja, Beta Anthropic nein, nur USA oder weltweit
Claude Platform on AWS ja Anthropic, außerhalb von AWS nein
Amazon Bedrock nein – –
Google Vertex AI nein – –
Microsoft Foundry nein – –

Anthropic führt Managed Agents auf Bedrock, Google Cloud und Foundry ausdrücklich als nicht unterstützt. Auf Claude Platform on AWS verarbeitet Anthropic laut AWS „außerhalb von AWS an einem Ort nach Wahl von Anthropic“. Wer Agenten in der eigenen AWS-Umgebung und in der EU betreiben muss, nimmt das Agent SDK und betreibt Sandbox, Sitzungen, Credentials und Protokolle selbst. Genau diese Teile deckt AgentCore ab.

Was Managed Agents fachlich leistet, beschreiben wir in unserem Enterprise-Leitfaden zu Claude Managed Agents.


Welche AgentCore-Bausteine in welcher EU-Region laufen

Wir empfehlen Frankfurt als Heimatregion, mit zwei Lücken, die Sie kennen müssen.

Baustein Frankfurt Irland Mailand Paris Spanien Stockholm
Runtime (microVMs) ja ja ja ja ja ja
Runtime Instances ja ja nein nein nein nein
Memory ja ja nein ja nein ja
Gateway, Identity, Policy ja ja ja ja ja ja
Observability, Evaluations ja ja ja ja ja ja
Browser, Code Interpreter ja ja ja ja ja ja
Web Search Tool nein ja nein nein nein nein
AWS Agent Registry nein ja nein nein nein nein

Stand 21. September 2026, Quelle: AWS-Regionstabelle für AgentCore. London führt AWS ebenfalls, gehört aber nicht zur EU. Zürich führt AWS für AgentCore gar nicht.

Unsere Kombination: Runtime, Memory, Gateway, Identity und Observability in Frankfurt. Das Web Search Tool nutzen wir dort nicht, weil es in Europa nur in Irland läuft. Braucht der Agent Websuche, hängt ein eigener Suchanbieter am Gateway.


Warum eine Runtime in Frankfurt keine Inferenz in Frankfurt heißt

Das ist der häufigste Fehler, den wir in Architekturen sehen: Die Runtime steht in Frankfurt, also gilt der Agent als „in Deutschland“. Die Region der Runtime sagt aber nichts darüber, wo Claude die Anfrage verarbeitet. Das entscheidet das Bedrock-Inferenzprofil.

Mit eu.anthropic.claude-sonnet-5 bleibt die Inferenz in EU-Regionen, verteilt ab Frankfurt. Mit einem global.-Profil läuft sie weltweit. Eine feste Einzelregion in der EU gibt es für Claude nur in Stockholm und Irland über den Endpunkt bedrock-mantle. Und Claude Fable 5 und 5.1 haben auf Bedrock gar kein EU-Profil.

Achtung beim Kopieren: Das AWS-Beispiel für das Claude Agent SDK auf AgentCore nutzt `us.anthropic.claude-sonnet-4-5-20250929-v1:0`, also ein US-Profil. Wer das Beispiel übernimmt, verarbeitet in den USA, egal wo die Runtime steht.

Wir raten deshalb, jede Modell-ID fest auf ein EU-Profil zu setzen und weltweite Profile per Service Control Policy zu sperren. Wie das auf Bedrock insgesamt aussieht, steht auf unserer Seite zu Claude auf Amazon Bedrock.


So läuft ein Claude-Agent auf AgentCore

Das Agent SDK läuft in der AgentCore Runtime als Container. Für das Modell nutzt es dieselben Umgebungsvariablen wie Claude Code:

# Umgebung des Agent-Containers in der AgentCore Runtime (Frankfurt)
CLAUDE_CODE_USE_BEDROCK=1
AWS_REGION=eu-central-1
# Modelle fest auf EU-Profile, Profil-IDs vorher per list-inference-profiles prüfen
ANTHROPIC_MODEL=eu.anthropic.claude-sonnet-5
ANTHROPIC_DEFAULT_SONNET_MODEL=eu.anthropic.claude-sonnet-5
ANTHROPIC_DEFAULT_OPUS_MODEL=eu.anthropic.claude-opus-5

Credentials gehören nicht in den Container. Die Runtime bekommt eine Ausführungsrolle, die nur bedrock:InvokeModel und bedrock:InvokeModelWithResponseStream auf die freigegebenen EU-Profile darf. Ob Ihre Profile verfügbar sind, zeigt vorab:

# Verfügbare Claude-Profile in Frankfurt auflisten
aws bedrock list-inference-profiles 
  --region eu-central-1 
  --query "inferenceProfileSummaries[?starts_with(inferenceProfileId, 'eu.anthropic')].inferenceProfileId"

Für die Observability reicht laut AWS eine zusätzliche Abhängigkeit, auf der Runtime aktiviert AWS Distro for OpenTelemetry sie automatisch:

# requirements.txt des Agenten
claude-agent-sdk
openinference-instrumentation-claude-agent-sdk>=0.1.3

Die Rechte des Agenten begrenzen Sie über drei Bausteine. Das Gateway stellt Tools und MCP-Server bereit, Identity regelt den Zugriff auf Fremd-APIs, Policy autorisiert einzelne Aktionen. Die Sorge, die wir aus der öffentlichen Verwaltung hören, „versehentliches Löschen durch KI“, beantworten Sie hier: Schreibrechte gibt es nur über Gateway-Tools, nie direkt.

Das läuft jetzt im POC. Was für den Produktivbetrieb fehlt: Modelle auf EU-Profile gepinnt, weltweite Profile gesperrt, Telemetrie mit Löschfrist, Kosten je Team. Genau diesen Teil richten wir als Claude Landing Zone auf AWS ein.

Was bei der Telemetrie gespeichert wird

Mehr, als die meisten erwarten. Die Spans des Agent SDK tragen Prompt, Antwort, Tool-Argumente und Tool-Ergebnisse, laut AWS in den Attributen input.value und output.value oder in verknüpften Event-Records. Diese Daten liegen dann in Ihrem CloudWatch.

Für Fehlersuche und Evaluations ist das wertvoll. Datenschutzrechtlich ist es Speicherung von Inhalten. Setzen Sie eine Aufbewahrungsfrist auf die Log Groups, beschränken Sie den Zugriff auf eine Audit-Rolle und nehmen Sie die Telemetrie ins Löschkonzept auf. Ohne das widerspricht die Observability jedem Argument, dass Ihr Agent „nichts speichert“.


Was AgentCore kostet, und was wirklich zählt

AgentCore rechnet nach Verbrauch ab, ohne Mindestgebühr, und die Bausteine lassen sich einzeln nutzen.

Posten Preis laut AWS (Abruf 18.09.2026)
Runtime 0,0895 USD je vCPU-Stunde, 0,00945 USD je GB-Stunde, nur aktive CPU
Gateway 0,005 USD je 1.000 Aufrufe
Memory, kurzfristig 0,25 USD je 1.000 Events
Identity ohne Aufpreis über Runtime und Gateway
Claude Sonnet 5 im EU-Profil 2,20 USD Eingabe, 11,00 USD Ausgabe je Million Tokens

Ein Beispiel mit offenen Annahmen: Eine Sitzung mit zehn Minuten aktiver CPU, 1 vCPU und 2 GB kostet rund 0,018 USD Laufzeit. Dieselbe Sitzung mit 50.000 Eingabe- und 5.000 Ausgabe-Tokens Sonnet 5 kostet rund 0,165 USD. Die Tokens kosten also etwa das Neunfache der Laufzeit. Unsere klare Empfehlung: Optimieren Sie zuerst Modellwahl und Caching, nicht die Runtime. Die Preisseite hat mehrere Tarifvarianten, prüfen Sie sie am Tag Ihrer Planung. Beispielrechnungen für Tokens stehen auf Kosten und Abrechnung.


AgentCore oder Eigenbetrieb auf ECS oder EKS?

AgentCore ist kein Muss. Das Agent SDK läuft überall, wo Python oder Node läuft.

Frage AgentCore spricht dafür Eigenbetrieb spricht dafür
Isolation je Sitzung, etwa bei Code-Ausführung microVM je Sitzung eigene Sandbox bauen
Lange Sitzungen bis 8 Stunden unbegrenzt, selbst verantwortet
Zugriff auf Fremd-APIs mit Nutzeridentität Identity mit OAuth-Flows selbst bauen
Bestehende Kubernetes-Plattform mit Betriebsteam kaum vorhandene Werkzeuge nutzen

Wir raten zu AgentCore, sobald Agenten Code ausführen oder mit Nutzerdaten arbeiten, weil die Isolation je Sitzung sonst das teuerste Eigenbau-Stück ist. Wer schon eine reife Kubernetes-Plattform betreibt und einfache Agenten ohne Code-Ausführung hat, fährt mit Eigenbetrieb nicht schlechter.


Häufig gestellte Fragen

Was ist Amazon Bedrock AgentCore?

AgentCore ist eine AWS-Plattform, um KI-Agenten mit beliebigem Framework und Modell zu betreiben. Sie besteht aus einzeln nutzbaren Bausteinen: Runtime mit isolierten microVMs je Sitzung, Memory, Gateway für Tools und MCP, Identity, Observability, Policy, Evaluations und eingebauten Tools. Allgemein verfügbar ist sie seit dem 13. Oktober 2025.

Was ist der Unterschied zwischen Bedrock Agents und Bedrock AgentCore?

Bedrock Agents ist der ältere Agent-Dienst innerhalb von Bedrock, AWS schreibt, dass Sie ihn weiter nutzen können. AgentCore ist offener: Sie bringen Ihr eigenes Framework mit, etwa das Claude Agent SDK, LangGraph oder Strands. Für Agenten, die mit dem Agent SDK gebaut sind, ist AgentCore der passende Betriebsort.

Gibt es Claude Managed Agents auf Amazon Bedrock?

Nein. Anthropic führt Managed Agents auf Bedrock, Google Cloud und Microsoft Foundry als nicht unterstützt. Verfügbar ist der Dienst auf der Anthropic API und auf Claude Platform on AWS, beide ohne belegte Verarbeitung in der EU.

Bleiben die Daten in der EU, wenn die AgentCore Runtime in Frankfurt läuft?

Nur wenn auch das Modell in der EU verarbeitet. Mit dem EU-Inferenzprofil bleibt die Claude-Inferenz in EU-Regionen, mit dem weltweiten Profil nicht. Dazu kommen die Telemetrie in CloudWatch und das Web Search Tool, das in Europa nur in Irland läuft.

Was kostet Bedrock AgentCore?

Die Runtime kostet rund 0,09 USD je vCPU-Stunde und rund 0,01 USD je GB-Stunde, berechnet wird nur aktive CPU. In unserem Beispiel kostet eine Sitzung von zehn Minuten rund 0,02 USD Laufzeit und rund 0,17 USD Claude-Tokens. Die Tokens sind meist der größere Posten.


Nächster Schritt

Claude auf Amazon Bedrock
Der Agent läuft in Frankfurt. Das Modell auch?
Wir richten Claude auf Bedrock mit EU-Profil ein: Modelle fest gepinnt, weltweites Profil gesperrt, Kosten je Team. Architektur-Workshop als Einstieg.
Bedrock-Einrichtung klären

Workshop 4.500 EUR Festpreis, ISO 27001

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