62a StBerG KI: Was Steuerkanzleien 2026 brauchen

62a StBerG KI: AVV reicht nicht. Textform, Kill-Switch und Einwilligung, bevor Mandatsakten ins Modell gehen.

1 Sep.. 2026 | AI, Compliance

Inhaltsverzeichnis

Constantin Budin, Principal Data & AI bei Pexon Consulting | 9 Min. Lesezeit | 01.09.2026


TL;DR

62a StBerG KI heißt: der Steuerberater darf einem Dienstleister Mandatsgeheimnisse öffnen, aber nur soweit nötig, nach Auswahl, mit Vertrag in Textform, Belehrung über § 203 StGB und Kill-Switch, wenn Abs. 3 bricht. Pexon Consulting (80 Mitarbeitende, Deutschland, Microsoft Partner) baut dafür das Gateway, nicht die Rechtsberatung. DATEV Copilot bleibt Bestand, Consumer-ChatGPT auf der Akte nicht.

Browser-ChatGPT 62a-Gateway
Textform Abs. 3 fehlt AVV plus 62a-Anlage
Mandat Abs. 5 kein Flag Flag vor dem Modell
Ende der Zusammenarbeit Account bleibt Route auf null

Das Problem: die AVV steht, die Akte wandert trotzdem

Der DATEV-Seismograf 2025 misst 25 Prozent regelmäßige GenAI-Nutzung im Berufsstand, nach 9 Prozent im Vorjahr. DATEV Copilot liegt seit Mai 2026 in MyDATEV. Gleichzeitig behandelt die BStBK-FAQ KI vom 27. Januar 2026 Cloud- und KI-Anbieter als Dienstleister im Sinne von § 62a StBerG.

Was wir in Bestandsaufnahmen sehen: die AVV nach Art. 28 DSGVO ist unterschrieben, Associates prompten trotzdem im Browser. Abs. 8 sagt ausdrücklich, der Datenschutz bleibt unberührt. Er ersetzt Abs. 3 nicht.

Unsere klare Empfehlung: zuerst den Prompt-Weg schließen, dann den ersten Use Case. Wer ein Modell kauft und die Kette nachzieht, hat die Reihenfolge falsch.


Was 62a StBerG KI der Kanzlei abverlangt

Die kurze Antwort: dieselben acht Absätze wie § 43e BRAO, nur unter anderem Namen. Wortlaut parallel, Stand 1. September 2026 auf gesetze-im-internet.de.

Abs. 1 begrenzt den Zugang auf das Erforderliche. Abs. 2 verlangt sorgfältige Auswahl und das unverzügliche Ende, wenn Abs. 3 nicht haltbar ist. Abs. 3 ist der operative Kern: Textform, Verschwiegenheit plus 203-Belehrung, Kenntnis nur zur Erfüllung, Unterauftragnehmer ja oder nein und dann dieselbe Klausel die Kette hinunter.

Abs. 4 ist Berufsrecht fürs Ausland, nicht die Standardvertragsklausel der DSGVO. Abs. 5 verlangt Mandanteneinwilligung, wenn die Leistung einem einzelnen Mandat dient. Abs. 6: Einwilligung hebt 2 und 3 nicht auf, außer der Mandant verzichtet ausdrücklich. Abs. 7 hilft Pexon Consulting nicht, wir sind kein Berufsgeheimnisträger. Abs. 8: DSGVO bleibt.

Strafrecht ist die Untergrenze. Berufsrecht ist die Büroorganisation davor.


Warum wir Consumer-ChatGPT auf Mandatsakten abraten

Name schwärzen, Rest lassen: Aktenzeichen, Beträge, Daten, Sachverhalt. Das reicht zur Re-Identifikation. Die BStBK-FAQ sagt zudem: ohne Einwilligung gehören keine mandantenbezogenen Daten in öffentlich zugängliche KI.

DATEV Copilot ist ein anderer Bezugsweg. Die fachliche Entscheidung bleibt laut DATEV beim Menschen. Den nehmen wir in Phase 0 auf. Wir verdoppeln ihn nicht.

Wer interne Texte ohne Mandantenbezug testen will, kann schmal starten. Abs. 2 und 3 gelten trotzdem, sobald ein Dienstleister Geheimnisse sehen kann.

Was Phase 0 konkret listet: jeder Browser-Weg, jeder private Copilot-Mandatsordner, DATEV Copilot ja oder nein, welche Modelle schon im Tenant liegen. Ohne diese Liste verdrahten wir den Kill-Switch ins Leere. Die Kanzlei muss intern klären, wer Abs. 5 einholt und wer Freigaben setzt. Das ist kein Workshop-Füllstoff. Es ist die Voraussetzung, dass das Flag vor dem Modell sitzt und nicht in einer Richtlinie, die niemand öffnet.


So sieht die technische Einhaltung aus

Pexon Consulting verdrahtet die Pflicht, ersetzt sie nicht. Ein Gateway, durch das jeder Prompt mit Mandatsbezug läuft. Einwilligungs-Flag vor dem Modell, nicht im System-Prompt. Audit ohne Klartext-Vollprotokoll für den Betrieb.

# Abs. 5 sitzt vor dem Gateway, nicht im Prompt
def darf_ins_modell(dokument: dict, zweck: str) -> bool:
    if zweck == "interne_recherche" and not dokument.get("mandatsbezug"):
        return True
    if not dokument.get("einwilligung_abs5"):
        return False
    return dokument.get("datenklasse") in FREIGABE[zweck]

Zwei Wege, eine Pflichtlogik. Weg A: Modell im Tenant oder on-prem, der Drittanbieter sieht den Inhalt nicht. Weg B: EU-API, jeder Unterauftragnehmer in Textform gleich verpflichtet. Default EU. Drittland nur mit eigenem Abs.-4-Vermerk.

Der Kill-Switch ist Abs. 2 Satz 2: Unterauftragnehmer ohne Klausel, Region verlässt die EU, Training an Mandatsdaten. Dann geht die Route auf null, nicht ein Ticket in drei Tagen.

Wie der Stack in der Private-AI-Beratung sitzt: Identität über Entra, Modelle über ein LLM-Gateway, Hosting-Frage über Datensouveränität.

Das läuft jetzt im POC. Was für den Produktivbetrieb fehlt: Textform nach Abs. 3, Subprocessor-Register, Abs.-5-Flag, Netz-Sperre der Consumer-Wege, Freigabe durch den Berufsträger. Den Sprung von „ChatGPT im Browser“ zu „läuft in der Kanzlei“ bauen wir als KI Steuerberater nach 62a StBerG.

Checkliste vor dem ersten Mandats-Prompt

Sieben Punkte, ohne die wir nicht in Phase 3 gehen:

  1. Consumer-ChatGPT und private Copilot-Mandatsordner sind im Netz gesperrt oder zumindest inventarisiert.
  2. Textform liegt: AVV plus 62a-Anlage mit 203-Belehrung.
  3. Unterauftragnehmer sind namentlich gelistet, inklusive Monitoring.
  4. Region EU oder ein eigener Abs.-4-Vermerk, kein „die Website sagt EU“.
  5. No-Training steht im Vertrag, nicht nur im Help-Center.
  6. Abs.-5-Flag ist verdrahtet, bevor das erste Mandatsdokument den Prompt-Weg nutzt.
  7. Kill-Switch wurde einmal getestet, nicht nur beschrieben.

Fehlt Punkt 2, ist jeder weitere Use Case Kosmetik. Fehlt Punkt 1, bleibt Schatten-KI der echte Bezugsweg. Punkt 7 ohne Test ist eine Klausel ohne Hebel: wenn die Route nicht auf null geht, endet die Zusammenarbeit nur auf dem Papier.

So sehen wir es bei Pexon Consulting in der Praxis: die Kanzlei unterschreibt gern die Cloud-AVV und glaubt, DATEV Copilot decke den Rest. DATEV Copilot deckt DATEV. Alles andere, Schriftsatz-ähnliche Mandantenmails, Bescheid-Entwürfe, freie Modelle, läuft daneben. Genau dieser Rest ist 62a StBerG KI.


62a StBerG, 203 StGB und die DSGVO sind drei Schichten

Wer nur „203-konform“ kauft, hat Abs. 3 nicht gelesen. § 203 StGB bestraft unbefugtes Offenbaren. 62a organisiert die Einschaltung des Dienstleisters. Die AVV organisiert personenbezogene Daten.

Den Claude-spezifischen Strafrechtspfad haben wir getrennt beschrieben, im Leitfaden zu Claude und dem Berufsgeheimnis. Dieser Text ist die Berufsrechtsschicht für Steuerkanzleien, unabhängig vom Modellnamen.

Art. 4 der KI-Verordnung verlangt seit dem 2. Februar 2025 nachweisbare KI-Kompetenz beim Personal, das Systeme bedient. Das ist nicht 62a, es läuft parallel. Eine Kanzlei, die Associates ins Modell lässt ohne Schulung und ohne Flag, hat zwei Baustellen, nicht eine.

GoBD und Azure in der Kanzlei sind wieder eine andere Seite: Azure für Steuerberater und GoBD. 62a ersetzt weder GoBD noch DATEV.


Häufig gestellte Fragen

Reicht die AVV für 62a StBerG KI?

Nein. Abs. 8 stellt den Datenschutz daneben. Abs. 3 verlangt Textform, 203-Belehrung und die Unterauftragnehmer. Ohne diese Anlage ist der Bezugsweg berufsrechtlich offen.

Was kostet die Einführung eines 62a-Gateways?

Der Einstieg bei Pexon Consulting ist der 6-Wochen-Pilot mit einem Use Case. Der Rahmen liegt typisch bei 50.000 bis 90.000 EUR je nach DATEV-Schnitt und Weg A oder B, Endpreis nach Scope. Modellkosten extra.

Darf DATEV Copilot bleiben?

Ja, wenn er im Bestand ist. Seit Mai 2026 in MyDATEV, Entscheidung beim Menschen. Phase 0 listet ihn. Consumer-ChatGPT auf Mandatsakten sperren wir mit der IT.

Braucht jedes Mandat eine Einwilligung?

Wenn die KI unmittelbar einem einzelnen Mandat dient, ja, Abs. 5. Interne Texte ohne Mandantenbezug können ohne Flag laufen. Das Gateway trennt die Räume. Verzicht nach Abs. 6 ist kein Default.

62a StBerG KI vs. selbst bauen: wann lohnt Inhouse?

Wenn die Kanzlei-IT Gateway, Dossier und Kill-Switch ohnehin trägt. In der Praxis liegt die AVV, der Browser umgeht sie. Dann ist Inhouse teurer als ein Dienstleister mit Abs.-3-Kette, nicht billiger.


Nächster Schritt

Wenn Mandatsdaten ins Modell sollen, ist der nächste Schritt nicht ein weiteres Tool, sondern der Prompt-Weg plus Vertragskette. Den 6-Wochen-Rahmen klären wir im Gespräch. Mitbringen sollten Sie die Ist-Liste der Modelle und den bestehenden AVV-Text, mehr braucht das Erstgespräch nicht.


Verwandte Themen


Microsoft Fabric. Bilder Blogtemplate Whitepaper

Claude Code im Unternehmen

  • Praxis-Guide für IT-Leiter – mit konkreten Einblicken zu Kosten, Sicherheit und Rollout von Claude Code im Unternehmen.

Beratungsgespräch

Sichern Sie sich Ihre kostenfreie Erstberatung

Analyse Ihres individuellen Cloud- oder KI-Bedarfs
Erste Empfehlungen zu Umsetzungsstrategien
Transparente Einblicke in unsere Methoden, Technologien & Referenzen